Nach schweren Überschwemmungen Anfang 2026 ist es im Regierungsbezirk Pati in Zentraljava, Indonesien, zu einem deutlichen Anstieg von Leptospirose-Erkrankungen gekommen. Nach Angaben des Gesundheitsamtes wurden im Zeitraum Januar bis Mai 2026 insgesamt 172 bestätigte Erkrankungsfälle und 21 Todesfälle registriert. Bereits Ende Januar waren unmittelbar nach den Überschwemmungen 35 Erkrankungen und vier Todesfälle gemeldet worden. Die Gesundheitsbehörden haben die Überwachung verstärkt und die Bevölkerung aufgefordert, den Kontakt mit möglicherweise kontaminiertem Wasser und Schlamm zu vermeiden sowie verstärkt auf Umwelthygiene zu achten.
Erreger: Leptospira spp., spiralförmige (Spirochäten), gramnegative Bakterien aus der Familie der Leptospiraceae.
Übertragung: Durch direkten Kontakt mit Urin infizierter Tiere (vor allem Nagetiere) oder indirekt über mit Urin verunreinigtes Wasser, Schlamm oder feuchte Böden. Die Erreger gelangen über kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute in den Körper. Überschwemmungen begünstigen die Ausbreitung erheblich.
Inkubationszeit: Meist 2–30 Tage, durchschnittlich 7–12 Tage.
Symptome: Plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopf- und Muskelschmerzen (vor allem der Waden), Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und gerötete Bindehaut.
Komplikationen: Schwere Verläufe (Morbus Weil) mit Gelbsucht, akutem Nierenversagen, Lungenblutungen, Hirnhautentzündung, Multiorganversagen und möglichem tödlichem Ausgang.
Therapie: Frühzeitige antibiotische Behandlung (z. B. Doxycyclin oder Penicillin/Ceftriaxon bei schweren Verläufen) sowie unterstützende Maßnahmen wie Flüssigkeitsgabe und gegebenenfalls intensivmedizinische Behandlung einschließlich Dialyse.
Bewertung der Situation
Der zeitliche Zusammenhang zwischen den Überschwemmungen und dem deutlichen Anstieg der Erkrankungen entspricht dem bekannten epidemiologischen Muster der Leptospirose nach Hochwasserereignissen. Mit einer Fallsterblichkeit von rund 12 % handelt es sich um einen schweren Ausbruch, der auf zahlreiche schwere Krankheitsverläufe und teilweise verzögerte Diagnosestellung hinweist. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen, die bei Aufräum- und landwirtschaftlichen Arbeiten mit kontaminiertem Wasser oder Schlamm in Kontakt kommen. Da die Regenzeit in Zentraljava anhält, sind weitere Erkrankungen nicht auszuschließen. Die verstärkte Surveillance und Aufklärung durch die Gesundheitsbehörden sind daher wichtige Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Kontakt mit Hochwasser, Schlamm und möglicherweise verunreinigtem Süßwasser möglichst vermeiden. Bei unvermeidbarem Kontakt wasserdichte Schutzkleidung und festes Schuhwerk tragen sowie Hautverletzungen sorgfältig abdecken. Doxycyclin-Prophylaxe. Nach Aufenthalt in betroffenen Gebieten sollte bei Fieber oder grippeähnlichen Beschwerden umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen und auf den Aufenthalt hingewiesen werden.
Unternehmen mit Entsendungen nach Indonesien: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten über das Infektionsrisiko nach Überschwemmungen informiert und mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung ausgestattet werden. Tätigkeiten mit Kontakt zu stehendem Wasser oder Schlamm sollten möglichst vermieden oder nur unter geeigneten Schutzmaßnahmen durchgeführt werden. Für exponierte Einsatzkräfte kann je nach individueller Risikobewertung eine antibiotische Chemoprophylaxe in Betracht gezogen werden.
Quelle der Meldung
Ähnliche Meldungen
MPox, Angola
Angola meldete am 20. Oktober 2026 insgesamt 92 aktive Mpox-Fälle. Innerhalb von 24 Stunden wurden zwei neue Fälle aus der Provinz Moxico gemeldet; elf Patienten konnten entlassen werden. In diesem…
Diphtherie, Senegal
Im Senegal wurden bislang 368 bestätigte Diphtheriefälle und 14 Todesfälle gemeldet. Betroffen sind 60 Gesundheitsdistrikte in 13 Regionen. Seit der letzten Meldung kamen zwei weitere Todesfälle…
Ausbruch Darminfektion, Gauteng/Südafrika
In der Provinz Gauteng in Südafrika sind zwischen dem 7. und 18. Oktober 2026 insgesamt 408 Fälle akuter Magen-Darm-Erkrankungen aufgetreten. Betroffen sind mehrere Gemeinden in der Region Tshwane,…
Ebola, Kenia
Das kenianische Gesundheitsministerium bestätigte am 19. Oktober 2026 den neunten Erkrankungsfall einer Bundibugyo-Viruskrankheit, einer seltenen Form des Ebola-Fiebers. Bei dem Betroffenen handelt…



