Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet seit Ende 2025 über einen deutlichen Anstieg importierter Denguefieberfälle nach Aufenthalten auf den Malediven. Auch andere EU-/EWR-Staaten melden vermehrt Fälle mit entsprechendem Reisebezug. In Deutschland wurden bis zum 21.04.2026 insgesamt 35 Fälle registriert, gegenüber 9 Fällen im gleichen Zeitraum 2025 und 5–13 Fällen jährlich in den Jahren 2022–2024. Parallel dazu steigt die Dengue-Inzidenz auf den Malediven selbst stark an, mit einem 8,7-fachen Anstieg der gemeldeten Fälle im Januar 2026 im Vergleich zum Vorjahr.
Denguefieber ist eine durch Dengueviren (Arboviren) verursachte Infektionskrankheit, die durch tagaktive Stechmücken der Gattung Aedes (v. a. Aedes aegypti und Aedes albopictus) übertragen wird. Die überwiegende Zahl der Infektionen verläuft asymptomatisch und unbemerkt. Typische Symptome sind plötzliches hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen („Knochenbrecherfieber“) sowie Hautausschlag. In schweren Fällen kann es zu hämorrhagischen Verläufen oder einem Dengue-Schock-Syndrom kommen. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht; die Behandlung erfolgt symptomatisch. Ein Impfstoff (Qdenga) ist in der EU zugelassen.
Bewertung der Situation
Für die einheimische Bevölkerung der Malediven bedeutet der starke Anstieg eine erhöhte Krankheitslast und potenzielle Belastung des Gesundheitssystems. Für Reisende aus Deutschland besteht aktuell ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere bei Aufenthalten in betroffenen Regionen und während eines Ausbruchsgeschehens. Denguefieber ist in allen tropischen und subtropischen Regionen verbreitet, mit besonders hoher Aktivität in Südasien und Südamerika.
Für Deutschland ergibt sich durch importierte Fälle ein potenzielles Risiko für autochthone Übertragungen, da sich mit Aedes albopictus ein kompetenter Vektor in Teilen des Landes etabliert hat. Dies ist insbesondere in den Sommermonaten relevant. Für Unternehmen mit reisenden Mitarbeitenden steigt das Risiko krankheitsbedingter Ausfälle sowie die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen.
Empfehlungen
Reisende sollten konsequenten Mückenschutz betreiben: Tragen von langärmliger Kleidung, Anwendung von Repellentien, Nutzung von Moskitonetzen sowie Aufenthalt in klimatisierten oder mückengeschützten Räumen. Vor Reisen in tropische Regionen sollte eine fachkundige reisemedizinische Beratung in Anspruch genommen werden und eine Impfung erwogen werden. Bei Symptomen nach Rückkehr (Fieber, Exanthem, Myalgien) sollte frühzeitig medizinische Abklärung erfolgen. Die Impfung gegen Dengue kann für bestimmte Personen mit vorheriger Infektion und erhöhtem Risiko sinnvoll sein.
Nach Rückkehr aus tropischen Regionen sollten ungeimpfte Personen für bis zu 14 Tage Mückenschutz einhalten, um eine mögliche Weiterverbreitung zu verhindern.
Unternehmen sollten reisemedizinische Beratung und Aufklärung vor Reisen sowie arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen, Mitarbeitende mit geeigneten Schutzmitteln ausstatten und klare Prozesse für den Umgang mit erkrankten Rückkehrenden etablieren. Zudem empfiehlt sich die Integration von Dengue-Risiken in betriebliche Gesundheits- und Reisesicherheitskonzepte (Travel Risk Management).
Quellen
Robert Koch-Institut (RKI) | ECDC | CRM | Tropenklinik Tübingen | Deutsches Ärzteblatt
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