Namibia hat einen Polio-Ausbruch erklärt, nachdem zirkulierende impfstoffabgeleitete Polioviren Typ 2 (cVDPV2) in Umweltproben (Abwasser) aus Windhoek, Gobabis und zuvor bereits Rundu nachgewiesen wurden. Die aktuellen Nachweise zeigen eine geografische Ausbreitung über das ursprünglich betroffene Gebiet in der Region Kavango East hinaus. Bisher wurden keine klinischen Poliofälle oder Fälle akuter schlaffer Lähmung (AFP) gemeldet; alle Nachweise stammen aus Umweltproben. Als Reaktion wurden nationale Impfkampagnen gestartet, darunter eine weitere Runde vom 20.–23.04.2026 für Kinder unter zehn Jahren. Die bisherigen Kampagnen erreichten Impfquoten von etwa 81 % bzw. 89–90 %. Namibia galt seit 2008 als poliofrei.
Erreger: Poliovirus Typ 2 (zirkulierend impfstoffabgeleitet, cVDPV2)
Übertragung: Fäkal-orale Übertragung, kontaminiertes Wasser/Lebensmittel, enge Person-zu-Person-Kontakte
Inkubationszeit: 3–35 Tage (meist 7–14 Tage)
Symptome: Häufig asymptomatisch; ggf. Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, selten akute schlaffe Lähmung
Komplikationen: Irreversible Lähmungen, Atemlähmung, in schweren Fällen tödlicher Verlauf
Therapie: Keine spezifische antivirale Therapie; symptomatische Behandlung, Prävention durch Impfung
Bewertung der Situation
Der Nachweis von cVDPV2 in mehreren geografisch getrennten Regionen weist auf eine fortgesetzte Viruszirkulation hin. Dass bislang keine klinischen Fälle identifiziert wurden, spricht für eine frühe Entdeckung durch funktionierende Umweltüberwachung, bedeutet jedoch weiterhin ein Infektionsrisiko für unzureichend geimpfte Bevölkerungsgruppen. Die erreichten Impfquoten sind hoch, aber nicht ausreichend, um die Transmission sicher zu unterbrechen. Die Nachweise genetisch verwandter Viren in Nachbarländern wie Sambia und Malawi unterstreichen das Risiko grenzüberschreitender Ausbreitung. Insgesamt besteht ein moderates Risiko für eine weitere Verbreitung, insbesondere bei bestehenden Impflücken.
Empfehlungen
Reisende: Impfstatus gegen Polio überprüfen und ggf. auffrischen, auf Hygiene (insbesondere Händehygiene und sicheres Trinkwasser) achten, Kontakt mit potenziell kontaminierten Wasserquellen vermeiden.
Unternehmen: Sicherstellung eines vollständigen Impfschutzes bei Mitarbeitenden mit Reisetätigkeit, Information zu Hygienemaßnahmen, Sensibilisierung für Symptome und Meldewege bei Verdachtsfällen. Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen
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