Die USA verzeichnen eine weitere geografische Ausbreitung des Neuwelt-Schraubenwurms (New World Screwworm, NWS), einer parasitären Fliegenlarve. Am 28. Oktober 2026 wurde erstmals ein Befall in Arizona bestätigt. Damit wurden seit dem ersten US-Nachweis am 3. Juni 2026 insgesamt 74 Tierfälle in Arizona, New Mexico und Texas registriert. Davon entfielen 73 Fälle auf Haustiere und Nutztiere (21 aktive und 52 abgeschlossene Fälle); ein weiterer Nachweis betraf ein wildlebendes beziehungsweise verwildertes Tier.
Der erste Fall in Arizona betraf einen Hund auf einer Ranch im Cochise County. Das Tier wies eine mit Maden befallene Wunde am Rücken auf. Weitere Nachweise betrafen Hunde, Katzen und Rinder. Auch Schafe und andere Nutztiere waren zuvor betroffen.
Der Neuwelt-Schraubenwurm ist die Larve der Fliegenart Cochliomyia hominivorax. Die erwachsenen Fliegen legen ihre Eier bevorzugt in offene Wunden, aber auch auf Schleimhäuten und anderen Körperöffnungen von Warmblütern ab. Die schlüpfenden Larven dringen in lebendes Gewebe ein und ernähren sich davon. Anders als viele andere Fliegenmaden befallen sie gezielt gesundes Gewebe.
Bei betroffenen Tieren entstehen schmerzhafte, fortschreitende Wundinfektionen mit erheblicher Gewebezerstörung. Unbehandelt können schwere Sekundärinfektionen, systemische Komplikationen und Tod eintreten. Auch Menschen können befallen werden (Myiasis), insbesondere bei offenen Wunden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Die Behandlung besteht in der vollständigen Entfernung der Larven, der gründlichen Wundversorgung und gegebenenfalls einer antibiotischen Therapie bei bakteriellen Sekundärinfektionen. Zur Bekämpfung der Fliege werden sterile, nicht fortpflanzungsfähige männliche Fliegen freigesetzt.
Die USDA hat um den ersten Nachweis in Arizona eine 20-km-Befallszone eingerichtet, Tiertransporte eingeschränkt, die Überwachung intensiviert und mit der Freisetzung steriler Fliegen begonnen.
Bewertung der Situation
Einheimische Bevölkerung: Die unmittelbare Gesundheitsgefährdung für Menschen wird derzeit als sehr gering eingeschätzt. Für Tierhalter und Viehwirtschaft besteht dagegen ein erhebliches Risiko durch Verletzungen, Tierverluste und Handelsbeschränkungen.
Reisende: Für Touristen besteht nur ein sehr geringes Infektionsrisiko. Erhöhte Aufmerksamkeit ist bei Aufenthalten auf Ranches, in ländlichen Gebieten und bei engem Tierkontakt erforderlich. Offene Wunden sollten konsequent geschützt werden.
Deutschland: Eine unmittelbare Gefährdung besteht nicht. Eine Einschleppung durch infizierte Tiere oder unbehandelte Wunden ist theoretisch möglich. Eine dauerhafte Etablierung in Deutschland ist aufgrund der klimatischen Bedingungen unwahrscheinlich.
Unternehmen: Besonders betroffen sind Unternehmen der Landwirtschaft, Viehzucht, Lebensmittelproduktion und des internationalen Tierhandels. Bei Entsendungen in die betroffenen US-Bundesstaaten sind veterinärmedizinische und hygienische Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen.
Empfehlungen
Für Reisende
- Offene Wunden sorgfältig reinigen, desinfizieren und abdecken.
- Bei Aufenthalten auf Ranches und in ländlichen Gebieten auf ungewöhnliche Fliegenaktivität achten.
- Tiere nicht mit offenen oder unbehandelten Wunden berühren.
- Bei auffälligen Wunden mit Larvenbefall unverzüglich medizinische Hilfe suchen.
Für Unternehmen
- Beschäftigte in Arizona, New Mexico und Texas über das Infektionsrisiko informieren.
- Bei Tätigkeiten mit Tieren konsequenten Wundschutz und regelmäßige Tierkontrollen sicherstellen.
- Tiertransporte und veterinärmedizinische Kontrollen entsprechend den USDA-Vorgaben organisieren.
- Bei Verdachtsfällen unverzüglich veterinärmedizinische beziehungsweise medizinische Abklärung veranlassen.
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