Kolumbien verzeichnet weiterhin einen anhaltenden Gelbfieberausbruch. Zwischen 2024 und dem 17. Juni 2026 wurden landesweit 200 bestätigte Erkrankungsfälle und 89 Todesfälle registriert. Seit dem letzten Lagebericht Ende Mai kamen acht weitere Fälle und vier Todesfälle hinzu. Das Ausbruchsgeschehen konzentriert sich weiterhin auf das Departamento Tolima, das mit 179 Fällen und 74 Todesfällen rund 90 % aller Erkrankungen und mehr als 80 % aller Todesfälle verzeichnet. Inzwischen wurden Infektionen auch aus den Departamentos Huila, Cauca, Nariño, Putumayo, Caldas, Meta, Vaupés, Guaviare und Caquetá gemeldet. Die kolumbianischen Gesundheitsbehörden informieren die Bevölkerung fortlaufend über die epidemiologische Entwicklung und setzen ihre Impfkampagnen fort.
Erreger: Gelbfiebervirus (Yellow Fever Virus, YFV), ein RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae.
Übertragung: Durch den Stich infizierter Stechmücken, insbesondere Aedes aegypti in städtischen Gebieten sowie Haemagogus-Arten in Wald- und Übergangsgebieten. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Symptome: Plötzliches hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und allgemeines Krankheitsgefühl. Nach einer kurzen Besserung kann bei schweren Verläufen eine toxische Phase mit Gelbsucht, Blutungen und Organversagen auftreten.
Komplikationen: Akutes Leber- und Nierenversagen, schwere Blutungen, Kreislaufschock sowie Multiorganversagen. Die Sterblichkeit schwerer Verläufe liegt bei 20–50 %.
Therapie: Es existiert keine spezifische antivirale Behandlung. Die Therapie erfolgt symptomatisch und intensivmedizinisch. Eine einmalige Gelbfieberimpfung bietet in der Regel einen langanhaltenden bis lebenslangen Schutz.
Bewertung der Situation
Der aktuelle Gelbfieberausbruch stellt den größten dokumentierten Ausbruch in der modernen Geschichte Kolumbiens dar und übertrifft deutlich das bisherige epidemiologische Grundniveau von durchschnittlich weniger als zehn Fällen pro Jahr. Die hohe Fallsterblichkeit von rund 45 % verdeutlicht die Schwere des Krankheitsgeschehens. Besonders besorgniserregend ist die fortschreitende geografische Ausbreitung über das ursprüngliche Epizentrum Tolima hinaus in weitere westliche und südliche Landesteile. Als begünstigende Faktoren gelten eine unzureichende Impfquote, zunehmende menschliche Aktivitäten in Waldgebieten, Entwaldung sowie saisonal günstige Bedingungen für die Mückenpopulationen. Die nationale Durchimpfungsrate lag bis 2024 bei lediglich etwa 64 %, in Tolima sogar nur bei rund 50 %, und damit deutlich unter dem für einen wirksamen Bevölkerungsschutz erforderlichen Niveau von über 95 %. Die Ausrufung eines nationalen Gesundheitsnotstands im Jahr 2025 verdeutlicht die erhebliche gesundheitliche Bedeutung des Ausbruchs. Für Reisende ohne Gelbfieberimpfung besteht in betroffenen Regionen ein relevantes Infektionsrisiko.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Vor Reisen nach Kolumbien, insbesondere in die betroffenen Departamentos Tolima, Huila, Cauca, Nariño, Putumayo, Meta, Guaviare und Vaupés, sollte eine reisemedizinische Beratung erfolgen. Eine Gelbfieberimpfung wird dringend empfohlen und sollte mindestens zehn Tage vor Einreise verabreicht werden. Zusätzlich sollten konsequente Maßnahmen zum Mückenschutz eingehalten werden, darunter die Verwendung von Repellentien, lange Kleidung und das Schlafen unter Moskitonetzen.
Unternehmen mit Entsendungen nach Kolumbien: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge sollte der Gelbfieberimpfstatus aller Mitarbeitenden überprüft und gegebenenfalls vor Reiseantritt aktualisiert werden. Mitarbeitende müssen über die Übertragungswege, Symptome und Schutzmaßnahmen informiert werden. Insbesondere bei Tätigkeiten in ländlichen, bewaldeten oder landwirtschaftlich geprägten Regionen sind umfassende Maßnahmen zum Mückenschutz erforderlich. Verdachtsfälle sollten umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Quelle der Meldung
Kolumbianisches Gesundheitsministerium (Ministerio de Salud y Protección Social)
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