Die Vereinigten Staaten haben bis zum 26.06.2026 insgesamt 26 bestätigte Fälle eines Befalls mit dem Neuwelt-Schraubenwurm (Cochliomyia hominivorax) bei Tieren gemeldet. Davon befinden sich 21 Fälle noch unter Behandlung oder veterinärmedizinischer Überwachung, fünf gelten als abgeschlossen. Bis auf einen Fall bei einem Hund im Bundesstaat New Mexico traten alle Nachweise in zehn Countys im Süden von Texas auf. Betroffen sind vor allem Kälber mit Nabelwunden, daneben Schafe, Ziegen und ein Hund. Als Reaktion wurden Teile des Medina County sowie angrenzende Gebiete unter Quarantäne gestellt, wodurch die Verbringung warmblütiger Tiere eingeschränkt wird. Freilebende Schraubenwurmfliegen wurden bislang nicht nachgewiesen.
Erreger: Neuwelt-Schraubenwurm (Cochliomyia hominivorax), eine parasitische Schmeißfliege. Die Erkrankung wird als Myiasis bezeichnet und entsteht durch den Befall lebenden Gewebes mit Fliegenlarven.
Übertragung: Weibliche Fliegen legen ihre Eier in frische Wunden oder natürliche Körperöffnungen warmblütiger Tiere und seltener des Menschen. Nach dem Schlüpfen dringen die Larven in gesundes Gewebe ein und ernähren sich davon. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht.
Symptome: Schmerzhafte, schlecht heilende Wunden mit Gewebezerstörung, Schwellung, blutig-serösem Wundsekret und sichtbaren Larven. Bei Tieren treten häufig Fieber, Apathie und Gewichtsverlust auf.
Komplikationen: Ausgedehnte Gewebezerstörung, bakterielle Sekundärinfektionen, Sepsis sowie Tod unbehandelter Tiere. Beim Menschen sind schwere Verläufe selten, aber möglich.
Therapie: Mechanische Entfernung sämtlicher Larven, chirurgische Wundversorgung, Behandlung bakterieller Sekundärinfektionen und sorgfältige Wundpflege. Zur Eindämmung werden veterinärmedizinische Überwachungsmaßnahmen, Quarantäne und die Freisetzung steriler männlicher Fliegen eingesetzt.
Bewertung der Situation
Der Ausbruch breitet sich innerhalb weniger Wochen auf immer mehr Regionen in Texas aus und erreichte erstmals auch New Mexico. Die Konzentration der Fälle bei Kälbern mit Nabelwunden deutet auf einen hohen Infektionsdruck während der Sommermonate hin. Dass bislang keine freilebenden Schraubenwurmfliegen nachgewiesen wurden, spricht gegen eine gesicherte Etablierung der Population, schließt diese jedoch nicht aus. Ein Nachweis freilebender Fliegen oder weiterer Fälle außerhalb der aktuellen Quarantänegebiete würde auf eine zunehmende Ausbreitung hinweisen.
Für die Bevölkerung besteht derzeit nur ein geringes Gesundheitsrisiko. Infektionen des Menschen sind selten und treten nahezu ausschließlich bei offenen Wunden oder mangelnder Wundhygiene auf. Für Reisende besteht daher nur ein sehr niedriges Risiko.
Für Deutschland besteht keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung. Von größerer Bedeutung sind mögliche wirtschaftliche Auswirkungen auf den internationalen Tierhandel und die Landwirtschaft. Unternehmen der Veterinärmedizin, Tierhaltung oder des Agrarsektors mit Tätigkeiten im Süden der USA müssen mit Einschränkungen beim Tiertransport sowie erhöhtem Aufwand für Biosicherheitsmaßnahmen rechnen.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Offene Wunden sorgfältig reinigen und abdecken sowie auf eine konsequente Wundhygiene achten. Kontakt zu befallenen Tieren vermeiden. Bei ungewöhnlichen Wundveränderungen oder sichtbaren Larven nach einem Aufenthalt in den betroffenen Gebieten umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Unternehmen mit Entsendungen in die betroffenen Regionen: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende über das geringe, aber bestehende Risiko einer Myiasis informieren und konsequente Wundhygiene sicherstellen. Betriebe mit Tierkontakt sollten Tiere regelmäßig auf Wunden und Larvenbefall kontrollieren, Quarantänebestimmungen beachten und verdächtige Fälle unverzüglich den zuständigen Veterinärbehörden melden. Transporte von Nutztieren sind an die geltenden Restriktionen anzupassen.
Quelle der Meldung
USDA Animal and Plant Health Inspection Service (APHIS) / USA Today Network (26.06.2026)
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