Das Gesundheitsamt des Yavapai County im US-Bundesstaat Arizona untersucht derzeit einen Verdachtsfall von Lungenpest (pneumonische Pest) bei einem Einwohner des Landkreises. Die Laborbestätigung durch das Gesundheitslabor des Bundesstaates Arizona steht noch aus. Vorsorglich wurden umgehend Kontaktverfolgungsmaßnahmen eingeleitet. Enge Kontaktpersonen werden identifiziert und erhalten bei Bedarf eine vorbeugende Antibiotikatherapie. Die Infektionsquelle ist bislang unklar und wird untersucht; mögliche Expositionen gegenüber Wildnagern, deren Flöhen oder infizierten Haustieren werden geprüft. Sekundärfälle oder Todesfälle wurden bislang nicht gemeldet.
Erreger: Yersinia pestis, gramnegatives Bakterium aus der Familie der Yersiniaceae.
Übertragung: Die Lungenpest wird durch infektiöse Tröpfchen beim engen Kontakt mit Erkrankten übertragen. Daneben kann eine Infektion nach Kontakt mit infizierten Wildtieren oder deren Flöhen auftreten; die Lungenpest entsteht entweder durch direkte Inhalation des Erregers oder als Komplikation einer Beulen- oder septischen Pest.
Inkubationszeit: Meist 1–4 Tage.
Symptome: Plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen, ausgeprägte Schwäche, Brustschmerzen, Atemnot sowie rasch zunehmender Husten mit wässrigem oder blutigem Auswurf.
Komplikationen: Schwere Lungenentzündung, Atemversagen, Blutvergiftung (Sepsis), Multiorganversagen und unbehandelt nahezu immer tödlicher Verlauf.
Therapie: Sofortige antibiotische Behandlung (z. B. Gentamicin oder Fluorchinolone) sowie intensivmedizinische Unterstützung bei schweren Verläufen. Eine frühzeitige Therapie innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn ist entscheidend für die Prognose.
Bewertung der Situation
Der Verdachtsfall entspricht grundsätzlich dem saisonalen Auftreten der Pest in Nord-Arizona, wo Yersinia pestis in Wildnagerpopulationen dauerhaft vorkommt. Die Lungenpest stellt jedoch die schwerste Form der Erkrankung dar, da sie im Gegensatz zur Beulenpest auch von Mensch zu Mensch über Tröpfchen übertragen werden kann. Positiv zu bewerten sind die sofort eingeleitete Kontaktverfolgung und die vorbeugende Antibiotikagabe für enge Kontaktpersonen, wodurch das Risiko einer Weiterverbreitung deutlich reduziert wird. Bislang wurden keine weiteren Erkrankungsfälle festgestellt. Für Reisende besteht derzeit kein erhöhtes allgemeines Risiko; dieses beschränkt sich auf Personen mit engem Kontakt zu dem Erkrankten oder zu infizierten Wildtieren in Endemiegebieten.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Reisen nach Arizona können weiterhin durchgeführt werden. Der Kontakt zu Wildnagern sowie zu kranken oder verendeten Tieren sollte konsequent vermieden werden. In ländlichen Gebieten sind Maßnahmen zum Schutz vor Flohstichen sinnvoll. Bei plötzlich auftretendem Fieber und Atemwegssymptomen nach engem Kontakt mit einem bestätigten Erkrankten oder nach Exposition gegenüber Wildtieren sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Unternehmen mit Entsendungen nach Arizona: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten über das sehr geringe, aber vorhandene Risiko in Endemiegebieten informiert werden. Bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Wildtieren oder deren Lebensräumen sind geeignete Schutzmaßnahmen gegen Flohstiche und Tierkontakte einzuhalten. Ein besonderes Risiko für Geschäftsreisende im urbanen Umfeld besteht derzeit nicht.
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