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Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) erlebt im Jahr 2026 den bislang schwersten Masernausbruch der letzten Jahre. Nach Angaben des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) wurden zwischen Kalenderwoche 1 und 26 bereits 99.200 Masernfälle registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es rund 34.000 Fälle, 2024 etwa 58.600 Fälle. Damit hat sich die Krankheitslast innerhalb eines Jahres nahezu verdreifacht.

Besonders betroffen sind die östlichen Provinzen Süd-Kivu (26.900 Fälle) und Nord-Kivu (17.500 Fälle), auf die zusammen etwa 45 % aller landesweiten Erkrankungen entfallen. Aus dem Gebiet Punia in der Provinz Maniema wurden seit Juni 2026 zusätzlich mehr als 2.089 Masernfälle gemeldet.

Parallel bestehen mehrere humanitäre Krisen, darunter der aktuelle Ausbruch der Bundibugyo-Ebolavirus-Erkrankung in der Provinz Ituri. Dort wurden zwar vergleichsweise wenige Masernfälle registriert, jedoch wird vermutet, dass die intensive Ebola-Bekämpfung die Überwachung und Erfassung von Masernfällen beeinträchtigt.

Die Ausbreitung der Masern wird durch erhebliche strukturelle Probleme begünstigt: Rund 4,2 Millionen Kinder leiden an akuter Mangelernährung, 5,8 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben, 26,5 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Wiederholte bewaffnete Konflikte und Sicherheitsvorfälle erschweren Impfkampagnen und die medizinische Versorgung erheblich.

Die WHO führt seit Ende 2025 eine landesweite Nachholimpfkampagne gegen Masern und Röteln durch, die sich an etwa 62 Millionen Kinder richtet. Trotz dieser Maßnahmen steigt die Zahl der Erkrankungen weiter deutlich an.

Bewertung der Situation

Einheimische Bevölkerung

Für die Bevölkerung stellt der Ausbruch eine erhebliche Gesundheitsbedrohung dar. Besonders gefährdet sind ungeimpfte Säuglinge und Kleinkinder sowie mangelernährte Kinder, bei denen schwere Verläufe mit Pneumonie, Enzephalitis und Todesfällen deutlich häufiger auftreten. Die humanitäre Lage erschwert eine wirksame Eindämmung.

Reisende

Für vollständig gegen Masern immunisierte Reisende ist das Erkrankungsrisiko gering. Nicht oder unvollständig geimpfte Reisende können sich jedoch bereits bei kurzem Kontakt in Flughäfen, Gesundheitseinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften infizieren. Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt.

Deutschland

Importierte Masernfälle durch Reiserückkehrer sind grundsätzlich möglich. Aufgrund der hohen Impfquote und der bestehenden Surveillance ist das Risiko größerer Ausbrüche in Deutschland jedoch gering. Einzelne Übertragungsketten in ungeimpften Bevölkerungsgruppen bleiben möglich.

Unternehmen mit entsandten Mitarbeitern

Unternehmen mit Mitarbeitenden in der DR Kongo sollten den Impfschutz ihrer Beschäftigten sorgfältig überprüfen. Erkrankungen können zu medizinischen Evakuierungen, Arbeitsausfällen und organisatorischen Einschränkungen führen. Die parallelen Ebola- und Sicherheitslagen erschweren zusätzlich medizinische Versorgung und Logistik.

Empfehlungen

Für Reisende

  • Reisemedizinische Beratung in Anspruch nehmen
  • Vollständigen Masern-Impfschutz (zwei dokumentierte MMR-Impfungen oder gesicherte Immunität) vor Reiseantritt überprüfen.
  • Bei unklarem Impfstatus rechtzeitig Nachimpfung durchführen.
  • Kontakte zu offensichtlich erkrankten Personen möglichst vermeiden.
  • Gute Händehygiene und allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen einhalten.
  • Bei Fieber und Hautausschlag während oder nach der Reise sofort ärztliche Abklärung veranlassen und den Aufenthalt in der DR Kongo angeben.

Für Unternehmen

* Impfstatus aller entsandten Mitarbeitenden vor Reisebeginn überprüfen und dokumentieren.
* Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen, einschließlich individueller Risikoanalyse durchführen.
* Medizinische Notfall- und Evakuierungspläne regelmäßig aktualisieren.
* Mitarbeitende über Masernsymptome, Meldewege und Verhaltensmaßnahmen informieren.
* Die epidemiologische Lage fortlaufend beobachten und Reiseentscheidungen an die aktuelle Sicherheits- und Gesundheitslage anpassen.

Quelle der Meldung

UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) | Radio Okapi | WHO Regional Office for Africa

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Dr. med Til Berger

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