In der Provinz Manitoba in Kanada setzt sich der Masernausbruch weiter fort. Zwischen dem 26. April und 02. Mai 2026 wurden 30 bestätigte und ein wahrscheinlicher Fall gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl im Jahr 2026 auf 549 bestätigte und 73 wahrscheinliche Fälle. Insgesamt mussten bislang 46 Personen hospitalisiert werden, darunter 23 Kinder unter zehn Jahren; vier Patienten benötigten intensivmedizinische Behandlung. Todesfälle wurden bisher nicht berichtet.
Besondere Aufmerksamkeit gilt möglichen Expositionen am Notre-Dame-Campus des RRC Polytech in Winnipeg, wodurch nun auch Bildungseinrichtungen als relevante Übertragungsorte betroffen sind. Manitoba verzeichnet aktuell rund 61 % aller bestätigten Masernfälle in Kanada und gilt damit als Zentrum des nationalen Ausbruchsgeschehens.
Erreger: Masernvirus (Measles virus), Genotyp D8
Übertragung: Hochkontagiöse Übertragung über Tröpfchenkerne und Aerosole; das Virus kann in Innenräumen bis zu zwei Stunden in der Luft verbleiben
Inkubationszeit: Meist 10–14 Tage
Symptome: Hohes Fieber, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung, anschließend typischer makulopapulöser Hautausschlag
Komplikationen: Pneumonie, Krupp, Enzephalitis, schwere Verläufe mit Intensivpflichtigkeit; besonders gefährdet sind ungeimpfte Kinder und immungeschwächte Personen
Therapie: Keine spezifische antivirale Therapie; Behandlung symptomatisch mit Flüssigkeitsgabe, Fiebersenkung und Behandlung bakterieller Sekundärinfektionen. Vitamin-A-Gabe wird insbesondere bei Kindern empfohlen
Bewertung der Situation
Die hohe Zahl an Fällen in Manitoba deutet auf eine anhaltende und weitreichende Gemeinschaftsübertragung hin. Dass die Provinz allein für den Großteil der kanadischen Masernfälle verantwortlich ist, spricht gegen einzelne Importereignisse und für eine etablierte Ausbreitung innerhalb anfälliger Bevölkerungsgruppen.
Besonders relevant ist die Ausbreitung in Bildungseinrichtungen, da dort enge Kontakte und hohe Personendichte die Übertragung erheblich begünstigen. Die zunehmenden Hospitalisierungen und Intensivbehandlungen verdeutlichen zudem, dass Masern auch in Ländern mit gut ausgebautem Gesundheitssystem schwere Krankheitsverläufe verursachen können.
Die epidemiologische Entwicklung weist darauf hin, dass die Impfquote in betroffenen Gemeinschaften weiterhin unter der für Herdenschutz notwendigen Schwelle liegt. Sollte die Fallzahl in den kommenden Wochen nicht deutlich zurückgehen, besteht das Risiko einer weiteren Ausbreitung bis in die nächste Schul- und Herbstsaison.
Empfehlungen
Reisende: Überprüfung und ggf. Aktualisierung des Masernschutzes (MMR-Impfung), insbesondere vor Reisen nach Kanada oder bei Aufenthalten in Gemeinschaftseinrichtungen. Bei Symptomen oder möglichem Kontakt frühzeitig medizinische Abklärung veranlassen und Kontakte reduzieren.
Unternehmen mit Entsendungen ins Ausland: Impfstatus entsandter Mitarbeitender überprüfen und vollständigen MMR-Impfschutz sicherstellen. Mitarbeitende über die hohe Übertragbarkeit informieren und bei Einsätzen in Kanada besondere Vorsicht in Schulen, Universitäten, Gesundheitseinrichtungen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen walten lassen. Reisemedizinische Vorsorge sicherstellen.
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