Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde über einen Cluster von schweren akuten Atemwegserkrankungen an Bord des unter niederländischer Flagge fahrenden Kreuzfahrtschiffes MV Hondius informiert. Laboruntersuchungen bestätigten, dass der Ausbruch durch das „Andes-Virus“, eine spezifische Art des Hantavirus, verursacht wurde. Dies ist klinisch bedeutsam, da das Andes-Virus die einzige Hantavirus-Variante ist, bei der eine begrenzte Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert ist.
Fallzahlen und Krankheitsverlauf
Stand 8. Mai 2026 wurden insgesamt acht Fälle gemeldet, davon sechs laborbestätigt und zwei als wahrscheinlich eingestuft. Es gab drei Todesfälle, was einer Fallsterblichkeit von 38 % entspricht.
Indexfall: Ein erwachsener Mann entwickelte bereits am 6. April Symptome (Fieber, Magen-Darm-Beschwerden) und verstarb am 11. April an Bord. Er war zuvor durch Regionen in Südamerika gereist, in denen das Virus endemisch ist.
Weitere Fälle: Unter den Verstorbenen befinden sich die Ehefrau des Indexfalls (Tod am 26. April in Südafrika) sowie eine deutsche Staatsangehörige (Tod am 2. Mai). Ein weiterer Patient befindet sich in kritischem Zustand auf einer Intensivstation in Südafrika.
Symptomatik: Die Erkrankten litten unter Fieber, Muskelschmerzen, Erschöpfung und Magen-Darm-Problemen, die sich rasch zu einer schweren Lungenentzündung (Hantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom, HCPS) und septischem Schock entwickelten.
Reiseverlauf und Maßnahmen
Das Schiff legte am 1. April 2026 in Ushuaia (Argentinien) ab und bereiste die Antarktis sowie mehrere Inseln im Südatlantik (u. a. Südgeorgien, St. Helena und Ascension), bevor es Kurs auf die Kapverden und schließlich die Kanarischen Inseln nahm. An Bord befanden sich 147 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 verschiedenen Nationen.
Die WHO und nationale Gesundheitsbehörden haben folgende Maßnahmen eingeleitet:
- Evakuierung und Quarantäne: Die Passagiere werden per Flugzeug in ihre jeweiligen Heimatländer transportiert, wo sie gemäß den nationalen Protokollen unter Quarantäne gestellt werden.
- Kontaktverfolgung: Eine umfassende Nachverfolgung von Kontaktpersonen wurde eingeleitet, insbesondere für Passagiere von Flügen (z. B. von St. Helena nach Johannesburg), auf denen infizierte Personen reisten.
- Risikobewertung: Insgesamt handelt es sich um ein extremes durch die Gesamtkonstellation begünstigtes Ereignis. Das Risiko für die allgemeine Bevölkerung wird als gering eingeschätzt, da die Übertragung engen und längeren Kontakt mit einer symptomatischen Person erfordert. Dennoch wird medizinisches Personal weltweit zur Wachsamkeit bei Reisenden mit entsprechenden Symptomen aufgerufen. Nach aktuellem Stand der Erkenntnis besteht KEIN Anlass eine Pandemie zu befürchten.
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