Im Sudan hat sich der Choleraausbruch in den Bundesstaaten West- und Nord-Kordofan weiter ausgeweitet. Bis zum 30. Juni 2026 wurden 911 Erkrankungsfälle und 127 Todesfälle gemeldet. Besonders betroffen ist die Ortschaft Al-Mazroub in Nord-Kordofan mit 300 Erkrankungen und 16 Todesfällen innerhalb von drei Wochen. Der Ausbruch wurde weniger als vier Monate nach dem offiziellen Ende der vorherigen landesweiten Choleraepidemie erklärt. Das sudanesische Gesundheitsministerium hat Isolations- und Rehydratationszentren eingerichtet und wird von der WHO bei der Bereitstellung von Medikamenten, der Überwachung sowie Maßnahmen zur Wasser- und Sanitärversorgung unterstützt. Der anhaltende bewaffnete Konflikt erschwert jedoch den Zugang zu medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe erheblich.
Erreger: Vibrio cholerae, gramnegatives Bakterium aus der Familie der Vibrionaceae.
Übertragung: Fäkal-oral über verunreinigtes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel. Die Ausbreitung wird insbesondere durch unzureichende Wasser-, Sanitär- und Hygienebedingungen (WASH) begünstigt.
Inkubationszeit: Etwa 2 Stunden bis 5 Tage.
Symptome: Plötzlich einsetzender starker wässriger Durchfall („Reiswasserstühle“), Erbrechen, Muskelkrämpfe und rasche Austrocknung (Dehydratation).
Komplikationen: Schwerer Flüssigkeits- und Elektrolytverlust mit Kreislaufschock, Nierenversagen und unbehandelt tödlichem Verlauf.
Therapie: Sofortige orale oder intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution. Bei schweren Verläufen können Antibiotika die Krankheitsdauer und Erregerausscheidung verkürzen. Ergänzend sind Maßnahmen zur Verbesserung der Wasser-, Sanitär- und Hygienesituation sowie gegebenenfalls der Einsatz oraler Cholera-Impfstoffe wichtig.
Bewertung der Situation
Mit einer Fallsterblichkeit von rund 14 % liegt die Sterblichkeit deutlich über dem WHO-Zielwert von unter 1 % und weist auf einen weitgehenden Zusammenbruch der medizinischen Versorgung in den betroffenen Konfliktgebieten hin. Die rasche Ausbreitung von West- nach Nord-Kordofan sowie der Beginn der Regenzeit schaffen günstige Bedingungen für eine weitere Übertragung. Unsichere Sicherheitslagen, eingeschränkter humanitärer Zugang und Engpässe bei lebenswichtigen Medikamenten und Infusionslösungen erschweren die Eindämmung erheblich. Eine weitere geografische Ausbreitung innerhalb der Kordofan-Region und darüber hinaus kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.
Empfehlungen
Reisende: Von nicht notwendigen Reisen in die betroffenen Regionen des Sudan wird derzeit abgeraten. Vor Reisen in andere Landesteile wird eine reisemedizinische Beratung empfohlen. Ausschließlich abgekochtes oder abgefülltes Wasser trinken, Speisen nur gut durchgegart verzehren und konsequent auf Händehygiene achten. Bei plötzlich einsetzendem starkem Durchfall sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Für Reisen in betroffene Gebiete kann je nach individuellem Risiko eine Cholera-Impfung sinnvoll sein.
Unternehmen mit Entsendungen in den Sudan: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten vor der Entsendung reisemedizinisch beraten und über Maßnahmen zur Lebensmittel-, Trinkwasser- und Händehygiene informiert werden. Aufgrund der eingeschränkten medizinischen Versorgung sollten Notfall- und Evakuierungspläne sowie der Zugang zu einer schnellen medizinischen Behandlung gewährleistet sein. Bei Einsätzen in Regionen mit erhöhtem Expositionsrisiko sollte eine Cholera-Impfung individuell geprüft werden.
Quelle der Meldung
WHO / Sudan Tribune / CBC News
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