Nach den beiden schweren Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am 24. Juni 2026 ist die humanitäre Lage in Venezuela weiterhin angespannt. Bis zum 1. Juli 2026 wurden 2.295 Todesfälle, 11.267 Verletzte sowie mehr als 26.000 Betroffene oder Vertriebene registriert. Besonders betroffen ist der Bundesstaat La Guaira. Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt oder sind nicht mehr funktionsfähig. Die WHO und die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) warnen vor einem deutlich erhöhten Risiko für Ausbrüche wasser-, impfpräventabler und vektorübertragener Infektionskrankheiten. Bereits vor dem Erdbeben zirkulierten unter anderem Dengue, Malaria, Masern, Diphtherie und Keuchhusten im Land. Die Unterbringung vieler Menschen in Notunterkünften sowie Ausfälle der Wasser- und Sanitärversorgung erhöhen das Ausbruchsrisiko zusätzlich.
Mögliche Erreger: Unter anderem Vibrio cholerae (Cholera), Masernvirus, Corynebacterium diphtheriae (Diphtherie), Bordetella pertussis (Keuchhusten), Denguevirus, Gelbfiebervirus, Chikungunya-Virus, Zika-Virus, Oropouche-Virus sowie Plasmodium spp. (Malaria).
Übertragung: Je nach Erreger über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel, Tröpfcheninfektion oder durch Stechmücken (Aedes- bzw. Anopheles-Mücken).
Inkubationszeit: Erregerspezifisch; sie reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen.
Symptome: Je nach Erkrankung unter anderem Fieber, Durchfall, Erbrechen, Hautausschlag, Husten, Atemwegsbeschwerden oder grippeähnliche Symptome.
Komplikationen: Schwere Dehydratation, neurologische Komplikationen, Organversagen oder hämorrhagische Verläufe; insbesondere bei fehlender medizinischer Versorgung können lebensbedrohliche Krankheitsverläufe auftreten.
Therapie: Erregerspezifisch. Neben einer frühzeitigen medizinischen Behandlung sind eine sichere Trinkwasserversorgung, funktionierende Sanitäranlagen, Impfprogramme, Vektorkontrolle und eine konsequente Infektionsprävention entscheidend.
Bewertung der Situation
Die Kombination aus zerstörter Infrastruktur, eingeschränkter Gesundheitsversorgung, unzureichender Wasser- und Sanitärversorgung sowie der Unterbringung vieler Menschen in Notunterkünften schafft günstige Bedingungen für Ausbrüche verschiedener Infektionskrankheiten. Besonders besorgniserregend ist das Risiko für wasserübertragene Erkrankungen sowie für durch Mücken übertragene Infektionen wie Dengue und Malaria. Gleichzeitig erschweren beschädigte Gesundheitseinrichtungen, fehlendes Personal und eingeschränkte Überwachungssysteme die frühzeitige Erkennung und Eindämmung möglicher Ausbrüche. In den kommenden Wochen ist daher mit einem erhöhten Infektionsrisiko in den betroffenen Regionen zu rechnen.
Empfehlungen
Reisende: Von nicht notwendigen Reisen in die besonders betroffenen Erdbebengebiete sollte derzeit abgesehen werden. Vor einer Reise nach Venezuela wird eine reisemedizinische Beratung empfohlen. Ein vollständiger Impfschutz, insbesondere und mindestens gegen Masern, Diphtherie und Keuchhusten, sollte überprüft werden. Konsequente Lebensmittel-, Trinkwasser-, Hand- und Mückenschutzmaßnahmen sind einzuhalten. Bei Fieber, Durchfall oder anderen Krankheitssymptomen sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Unternehmen mit Entsendungen nach Venezuela: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten vor der Entsendung reisemedizinisch beraten, der Impfschutz überprüft und umfassend über Maßnahmen zur Lebensmittel-, Trinkwasser-, Hand- und Mückenhygiene informiert werden. Aufgrund der eingeschränkten Gesundheitsversorgung sollten Notfall- und Evakuierungspläne überprüft sowie der Zugang zu medizinischer Versorgung vor Ort sichergestellt werden.
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