In Liberia wurde am 22.06.2026 ein bestätigter Gelbfieberfall aus Polar Town im Gesundheitsbezirk Gbao, Grand Gedeh County, gemeldet. Die Laborbestätigung erfolgte am 16.06.2026 durch das Institut Pasteur in Dakar. Betroffen ist ein 50-jähriger Mann, der Ende Mai mit Fieber, Kopfschmerzen und Gelbsucht erkrankte. Er hatte sich zuvor zu landwirtschaftlichen Arbeiten in einem Waldgebiet aufgehalten und war nach eigenen Angaben bereits 2009 gegen Gelbfieber geimpft worden. Todesfälle wurden bislang nicht registriert. Landesweit wurden seit Jahresbeginn 21 Verdachtsfälle erfasst. Die Gesundheitsbehörden führen aktive Fallfindung, Kontaktverfolgung (83 Kontaktpersonen) sowie Risikoaufklärung durch.
Gelbfieber wird durch das Gelbfiebervirus (Flavivirus) verursacht und durch infizierte Aedes-Mücken übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht. Typische Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Gelbsucht. Schwere Verläufe können zu Blutungen, Leber- und Nierenversagen sowie zum Tod führen. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht; die Behandlung erfolgt symptomatisch. Eine Impfung bietet in der Regel einen lebenslangen Schutz.
Bewertung der Situation
Liberia gehört zu den Ländern mit hohem Gelbfieberrisiko. Die Hinweise sprechen für eine sylvatische (Wald-)Übertragung im Rahmen landwirtschaftlicher Tätigkeiten und nicht für eine urbane Ausbreitung. Der Fall stellt jedoch eine geografische Ausweitung der jüngsten Gelbfieberaktivität in Liberia dar. Aufgrund der Regenzeit und der hohen Aedes-Mückendichte sind weitere Fälle im Verlauf des dritten Quartals 2026 möglich. Einschränkungen der ländlichen Gesundheitsversorgung und verzögerte Labordiagnostik erschweren die rasche Erkennung weiterer Infektionen.
Für die einheimische Bevölkerung besteht insbesondere in waldnahen Regionen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Für Reisende ist das Risiko bei Aufenthalten in betroffenen Gebieten, insbesondere bei Aktivitäten im Freien oder im Wald, erhöht, insgesamt jedoch begrenzt. Für Deutschland besteht kein relevantes Risiko einer Einschleppung mit anschließender Übertragung. Unternehmen mit Mitarbeitenden oder Projekten in Liberia sollten die epidemiologische Lage beobachten und Vorsorgemaßnahmen umsetzen.
Empfehlungen
Reisende sollten vor einer Reise nach Liberia ihren Gelbfieber-Impfschutz überprüfen bzw. rechtzeitig eine Impfung durchführen lassen. Zusätzlich sollten konsequente Maßnahmen zum Mückenschutz (Repellentien, lange Kleidung, imprägnierte Moskitonetze) eingehalten und Aufenthalte in Waldgebieten auf das notwendige Maß beschränkt werden.
Unternehmen sollten sicherstellen, dass entsandte Mitarbeitende gegen Gelbfieber geimpft sind, über geeigneten Mückenschutz verfügen und über das Infektionsrisiko informiert werden. Die aktuelle epidemiologische Entwicklung sollte fortlaufend beobachtet und betriebliche Reise- und Gesundheitskonzepte entsprechend angepasst werden.
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