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In der nordostthailändischen Provinz Maha Sarakham wurden bei einem groß angelegten Screening unter Erstsemesterstudierenden außergewöhnlich hohe Nachweisraten des Südostasiatischen Leberegels (Opisthorchis viverrini) festgestellt. An der Mahasarakham University wurde bei 4.233 von 12.733 Studierenden (ca. 33 %) im Urin Leberegel-Antigen nachgewiesen. An der Rajabhat Maha Sarakham University 380 von 1.922 Studierenden (ca. 19 %).

Die thailändische Gesundheitsbehörde (Department of Disease Control, DDC) weist darauf hin, dass es sich hierbei um Screening-Ergebnisse handelt. Eine gesicherte Diagnose erfordert weiterhin den mikroskopischen Nachweis von Parasiteneiern im Stuhl. Dennoch unterstreichen die Ergebnisse das erhebliche Ausmaß der Endemie in Nordostthailand.

Opisthorchis viverrini wird durch den Verzehr von rohem, unzureichend gegartem oder fermentiertem Süßwasserfisch übertragen. Traditionelle Gerichte wie koi pla, larb pla, pla som oder pla ra stellen wichtige Infektionsquellen dar. Fermentation oder Salzung töten die infektiösen Larven nicht zuverlässig ab; nur vollständiges Erhitzen verhindert eine Infektion.

Die Infektion verläuft häufig zunächst symptomlos oder verursacht lediglich unspezifische Beschwerden. Die Parasiten können jedoch über 20–30 Jahre in den Gallengängen überleben und eine chronische Entzündung hervorrufen. Langfristig steigt dadurch das Risiko für Gallengangskarzinome (Cholangiokarzinome). Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC/WHO) stuft O. viverrini als Karzinogen der Gruppe 1 ein.

Als Reaktion auf die Screening-Ergebnisse haben die Behörden epidemiologische Untersuchungen eingeleitet, Lebensmittelkontrollen verstärkt und ein Zertifizierungsprogramm für Gastronomiebetriebe gestartet. Gleichzeitig wird die nationale Strategie zur Eliminierung von Leberparasiten im Rahmen eines One-Health-Ansatzes umgesetzt.

 

Bewertung der Situation

Für die einheimische Bevölkerung stellt die Opisthorchiasis weiterhin ein bedeutendes endemisches Gesundheitsproblem dar. Trotz verfügbarer und wirksamer Therapie mit Praziquantel bleibt die Prävalenz aufgrund traditioneller Ernährungsgewohnheiten hoch, und Reinfektionen sind häufig. Das eigentliche Gesundheitsrisiko liegt weniger in der akuten Erkrankung als in den schwerwiegenden Langzeitfolgen mit chronischen Gallengangserkrankungen und einem erhöhten Risiko für Gallengangskrebs.

Für Reisende ist das Infektionsrisiko insgesamt gering und betrifft nahezu ausschließlich Personen, die rohe oder unzureichend gegarte Süßwasserfischgerichte verzehren. Bei üblicher touristischer Ernährung besteht nur ein niedriges Risiko.

Für Deutschland besteht kein relevantes Risiko einer Ausbreitung, da eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht möglich ist und der komplexe Entwicklungszyklus des Parasiten spezielle Zwischenwirte (Süßwasserschnecken und Fische) erfordert.

Unternehmen, die Mitarbeitende nach Thailand entsenden, sollten das Risiko insbesondere bei längeren Aufenthalten in Nordostthailand berücksichtigen. Dienstreisende können im Rahmen gemeinsamer Mahlzeiten mit regionalen Spezialitäten exponiert werden.

Empfehlungen

Für Reisende

  • Ausschließlich vollständig gegarten Süßwasserfisch verzehren.
  • Auf rohe, marinierte, fermentierte oder nur leicht gegarte Fischgerichte verzichten.
  • Bei längeren Aufenthalten in Endemiegebieten eine reisemedizinische Beratung in Anspruch nehmen.
  • Nach längerfristigem Aufenthalt und möglicher Exposition bei anhaltenden Oberbauchbeschwerden oder auffälligen Leberwerten eine parasitologische Diagnostik erwägen.

Für Unternehmen

  • Mitarbeitende vor Entsendungen nach Thailand über lebensmittelbedingte Infektionsrisiken informieren.
  • Ernährungsempfehlungen in Reise- und Gesundheitsbriefings integrieren.
  • Bei Langzeitentsendungen nach Nordostthailand die Risiken im Rahmen des Travel Risk Managements berücksichtigen.
  • Nach relevanter Exposition oder längeren Aufenthalten bei entsprechender Indikation eine arbeitsmedizinische Nachsorge einschließlich reisemedizinischer Beratung anbieten.

Quelle der Meldung

US CDC | Bangkok Post | Thailand Department of Disease Control (DDC)

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