Die Gesundheitsbehörden im Gouvernement Taiz im Jemen berichten für den Zeitraum Januar bis Mai 2026 über mehr als 400 menschliche Tollwut-Fälle. Besonders betroffen sind Kinder, die aufgrund häufiger Kontakte zu streunenden Hunden einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Gleichzeitig erschweren ein erheblicher Mangel an Tollwutimpfstoffen und Tollwut-Immunglobulin sowie das weitgehende Fehlen von Maßnahmen zur Kontrolle streunender Hunde die Eindämmung der Erkrankung.
Erreger: Rabiesvirus, behülltes RNA-Virus aus der Gattung Lyssavirus (Familie Rhabdoviridae).
Übertragung: Vor allem durch Bissverletzungen infizierter Hunde. Eine Übertragung ist auch durch Kratzverletzungen oder Speichelkontakt mit verletzter Haut oder Schleimhäuten möglich.
Inkubationszeit: Meist 1–3 Monate, selten wenige Tage bis über ein Jahr.
Symptome: Zunächst Fieber, Unwohlsein und Schmerzen oder Kribbeln an der Bissstelle. Im weiteren Verlauf Unruhe, Angst, Schluckstörungen, Krämpfe, Hydrophobie (Wasserangst), Lähmungen und Bewusstseinsstörungen.
Komplikationen: Nach Auftreten klinischer Symptome verläuft Tollwut immer tödlich und führt zu Enzephalitis, Atemlähmung und Kreislaufversagen.
Therapie: Nach einer Exposition ist eine sofortige Wundreinigung sowie eine rasche Postexpositionsprophylaxe (PEP) erforderlich. Nach Ausbruch der Erkrankung steht keine wirksame Heilbehandlung zur Verfügung.
Bewertung der Situation
Die hohe Zahl gemeldeter Tollwut-Fälle innerhalb von nur fünf Monaten verdeutlicht die anhaltend kritische Situation im Gouvernement Taiz. Der Zusammenbruch veterinärmedizinischer Kontrollmaßnahmen, die große Population streunender Hunde sowie der Mangel an Impfstoffen und Immunglobulinen erhöhen das Risiko schwerer Krankheitsverläufe erheblich. Aufgrund des seit Jahren andauernden bewaffneten Konflikts sind Gesundheitsversorgung und Surveillance stark eingeschränkt, sodass von einer erheblichen Untererfassung der tatsächlichen Fallzahlen auszugehen ist. Besonders gefährdet sind Kinder, die den größten Anteil der Betroffenen ausmachen.
Empfehlungen
Reisende: Vor Reisen in den Jemen wird eine reisemedizinische Beratung empfohlen. Direkter Kontakt zu Hunden und anderen Säugetieren sollte konsequent vermieden werden. Bei Reisen mit erhöhtem Expositionsrisiko sollte eine präexpositionelle Tollwutimpfung durchgeführt werden. Nach jeder Biss- oder Kratzverletzung ist die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife zu reinigen und unverzüglich eine medizinische Einrichtung zur Durchführung einer Postexpositionsprophylaxe aufzusuchen.
Unternehmen mit Entsendungen in den Jemen: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten vor der Entsendung über das Tollwutrisiko informiert und präexpositionell geimpft werden. Aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit von Impfstoffen und Immunglobulinen vor Ort sollte eine Notfallplanung für eine schnelle medizinische Versorgung nach Tierkontakten bestehen. Tierkontakte sind konsequent zu vermeiden.
Quelle der Meldung
Ähnliche Meldungen
KEIN Mumpsausbruch, Baku
In sozialen Medien kursierten Meldungen über einen angeblichen größeren Mumpsausbruch (epidemische Parotitis) in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Das Gesundheitsministerium…
Hantavirus-Infektion, Lwiw/ Ukraine
In der ukrainischen Oblast Lwiw wurde erstmals im Jahr 2026 ein laborbestätigter Fall eines Hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom (HFRS) durch ein Hantavirus gemeldet. Betroffen ist ein…
Malaria-Anstieg, Angola
Die Provinz Malanje in Angola verzeichnete im Zeitraum Januar bis Juni 2026 insgesamt 523.064 diagnostizierte Malariafälle sowie 418 Todesfälle. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres…
Chikungunya-Ausbruch, Französisch-Guayana
In Französisch-Guayana wurden bis zum 16.07.2026 insgesamt 1.157 laborbestätigte Chikungunya-Fälle registriert. Die höchsten wöchentlichen Fallzahlen wurden zwischen den epidemiologischen Wochen 18…



