In den Gesundheitsdistrikten Kédougou und Saraya im Osten Senegals wurde nach Untersuchungen vom 5.–11. August 2026 ein Diphtherie-Ausbruch gemeldet. Eine rückblickende Auswertung von Krankenakten für Mai bis August ergab 591 Verdachtsfälle mit Symptomen wie Halsschmerzen, Tonsillitis, Fieber und Nackenschmerzen. Allerdings wurden nur wenige Patienten labordiagnostisch untersucht; zunächst waren drei Tests positiv und 17 negativ. Daher lässt sich aus den 591 Verdachtsfällen weder die tatsächliche Zahl der Diphtheriefälle noch die Übertragungsintensität ableiten. Zudem wurden drei Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren in Kédougou gemeldet; der Zusammenhang mit Diphtherie ist teilweise noch ungeklärt.
Diphtherie wird durch toxinbildende Corynebacterium-diphtheriae-Bakterien verursacht und hauptsächlich über Tröpfchen und engen direkten Kontakt übertragen. Typisch sind Halsschmerzen, Fieber, Schluckbeschwerden und eine charakteristische Rachen-/Mandelmembran; möglich sind schwere Atemwegsobstruktion, Myokarditis, neurologische Komplikationen und Tod. Die Behandlung besteht aus Diphtherie-Antitoxin und Antibiotika sowie unterstützender Therapie. Kontaktpersonen benötigen Überwachung, gegebenenfalls Antibiotikaprophylaxe und eine Überprüfung bzw. Vervollständigung des Impfschutzes.
Die betroffenen Distrikte grenzen an Guinea und Mali, wo ebenfalls 2025/26 Diphtherieübertragungen gemeldet wurden. Mobile Bevölkerungsgruppen im Zusammenhang mit Handel, Bergbau und grenzüberschreitenden Aktivitäten erschweren die Surveillance und können die Ausbreitung begünstigen. Die WHO-Afrikaregion erlebt derzeit eine deutliche Zunahme von Diphtheriefällen.
Bewertung der Situation
Für die einheimische Bevölkerung besteht insbesondere bei unvollständigem Impfschutz ein relevantes Risiko schwerer Erkrankungen. Die bisher verfügbaren Daten reichen nicht aus, um eine zunehmende oder abnehmende Transmission zu belegen.
Für Reisende ist das individuelle Risiko derzeit wahrscheinlich gering, kann bei engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung oder Aufenthalt in betroffenen Regionen jedoch erhöht sein. Entscheidend ist ein vollständiger Diphtherie-Impfschutz.
Für Deutschland besteht aktuell kein unmittelbares relevantes Risiko; importierte Einzelfälle sind grundsätzlich möglich.
Für Unternehmen mit Beschäftigten in Senegal, insbesondere in Ostsenegal, im Bergbau, Handel oder bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten, ist der Impfstatus der Mitarbeiter relevant.
Empfehlungen
Reisende: Impfschutz gegen Diphtherie gemäß STIKO sicherstellen und bei Reisen nach Senegal insbesondere in betroffene Regionen auf engen Kontakt zu Erkrankten verzichten. Bei Halsschmerzen, Fieber oder Schluckbeschwerden nach Aufenthalt in einem Ausbruchsgebiet frühzeitig medizinische Hilfe suchen und auf die Reise hinweisen. Reisemedizinische Beratung in Anspruch nehmen!
Unternehmen: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Impfstatus von Beschäftigten mit Senegal-Einsatz überprüfen und erforderliche Auffrischimpfungen veranlassen. Bei Tätigkeiten in Kédougou/Saraya sollten aktuelle lokale Gesundheitsinformationen und Ausbruchsentwicklungen beobachtet werden. Erkrankte Mitarbeiter sollten rasch medizinisch abgeklärt und Kontakte entsprechend den lokalen Empfehlungen überwacht werden.
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