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In der Provinz Uruzgan im Süden Afghanistans wurde ein weiterer Fall von Poliomyelitis durch Wildpoliovirus Typ 1 (WPV1) bestätigt. Damit steigt die Zahl der 2026 in Afghanistan bestätigten WPV1-Fälle auf 16. Betroffen ist ein etwa 25 Monate altes Mädchen aus der Umgebung von Tirin Kot, bei dem bereits Monate vor der Bestätigung eine Beinlähmung aufgetreten war. Die Familie soll Impfungen abgelehnt haben.

Poliomyelitis ist eine hochkontagiöse Virusinfektion, die überwiegend fäkal-oral, insbesondere über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel, übertragen wird. Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch; bei einem kleinen Teil kommt es zu einer schlaffen Lähmung, insbesondere der Beine. Die Lähmung kann dauerhaft sein und bei Beteiligung der Atemmuskulatur zum Tod führen. Für jeden paralytischen Fall ist von zahlreichen – möglicherweise 200 oder mehr – asymptomatischen Infektionen auszugehen. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht. Impfung mit OPV und/oder IPV ist die entscheidende Präventionsmaßnahme.

Afghanistan und Pakistan bilden epidemiologisch weiterhin einen gemeinsamen Übertragungsraum. Positive Umweltproben aus mehreren afghanischen Provinzen, darunter Uruzgan, Kandahar, Helmand, Herat, Kunduz und Badghis, belegen eine überregional verbreitete Viruszirkulation.

Bewertung der Situation

Einheimische Bevölkerung: Die Situation ist weiterhin ernst. Niedrige Impfquoten, Impfverweigerung, eingeschränkter Zugang zu Kindern und begrenzte diagnostische Kapazitäten begünstigen eine anhaltende Transmission. Die geografische Ausbreitung über das traditionelle südliche Reservoir hinaus ist ein Warnsignal.

Reisende: Für Reisende nach Afghanistan besteht aufgrund der aktuellen Sicherheitslage ohnehin ein erhebliches Gesamtrisiko. Bei Reisen in das Land sollte ein vollständiger Polio-Impfschutz unbedingt gewährleistet sein. Afghanistan gehört zu den Ländern, für die internationale Polio-Impfempfehlungen besonders relevant sind.

Deutschland: Eine relevante dauerhafte Übertragung in Deutschland ist derzeit sehr unwahrscheinlich. Importierte Fälle sind jedoch grundsätzlich möglich, insbesondere bei ungeimpften Personen.

Unternehmen: Entsendungen nach Afghanistan sollten hinsichtlich medizinischer und sicherheitsbezogener Risiken kritisch geprüft werden. Besonders bei längerfristigen Einsätzen ist ein dokumentierter Impfschutz erforderlich.

Empfehlungen

Reisende

  • Vor Reiseantritt Impfstatus überprüfen und fehlende Polio-Impfungen nachholen.
  • Bei entsprechender Indikation eine Auffrischungsimpfung nach reisemedizinischer Beratung durchführen.
  • Hygienemaßnahmen zur Vermeidung fäkal-oraler Übertragung beachten.
  • Für Afghanistan bestehende Reise- und Sicherheitshinweise berücksichtigen.

Unternehmen

  • Polio-Impfstatus von Beschäftigten vor Entsendungen überprüfen.
  • Reisemedizinische Beratung und individuelle Impfplanung frühzeitig anbieten.
  • Bei Einsätzen in Afghanistan eine strukturierte arbeitsmedizinische Gefährdungsbeurteilung durchführen.
  • Rückkehrende Beschäftigte bei entsprechenden Symptomen medizinisch abklären lassen.

Quelle der Meldung

Kabul Now | WHO Regional Office for the Eastern Mediterranean |

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