Die Weltgesundheitsorganisation hat das Ziel „Zero by 30“ ausgegeben. Das bedeutet: bis 2030 soll es keine Toten durch Tollwut mehr geben, deren Infektionen durch Hunde übertragen wurden.
Die Tollwut ist eine Virusinfektion der Säugetiere. Der Hauptüberträger ist der Hund, aber auch Katzen, Fledermäuse oder Affen können Überträger sein. Vor allem in Asien und in Afrika ist die Tollwut sehr weit verbreitet. Gleichzeitig ist in vielen Regionen kein Immunglobulin (genannt „RIG“, das sind Antikörper) verfügbar oder nicht rechtzeitig verfügbar. Immunglobulin bräuchte man, um im Falle einer Infektion die Erkrankung zu verhindern um so zu überleben.
Eine Tollwuterkrankung ist immer tödlich!
Einige Fakten zur Tollwut
Humane Infektionen und Mortalität
- Jährliche Todesfälle: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die weltweite Mortalität auf ca. 59.000 Menschen pro Jahr in über 150 Ländern. Die Dunkelziffer in ländlichen Regionen liegt vermutlich höher.
- Hauptvektor: Über 99 % aller humanen Tollwutinfektionen werden durch Bisse oder Speichelkontakt von Haushunden (dog-mediated rabies) übertragen.
- Letalität: Nach dem Auftreten klinischer Symptome (enzephalitische oder paralytische Verlaufsform) verläuft die Erkrankung nahezu zu 100 % tödlich.
- Altersverteilung: Rund 40 % der Opfer sind Kinder unter 15 Jahren, vor allem in Armutsregionen Asiens und Afrikas.
Regionen mit hoher Inzidenz
- Asien (~60 % der globalen Todesfälle): Indien ist mit geschätzten 18.000 bis 20.000 Todesfällen pro Jahr das am schwersten betroffene Land weltweit (ca. ein Drittel der globalen Mortalität). Weitere Hochrisikoländer sind Pakistan, Bangladesch, Nepal, die Philippinen, Vietnam, Kambodscha und China.
- Afrika (~35 % der globalen Todesfälle): Höchste relative Mortalitätsrate pro Einwohner. Besonders betroffen sind Sub-Sahara-Staaten (z. B. Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien).
- Lateinamerika & Karibik: Durch flächendeckende Impfkampagnen bei Hunden wurde die humane Inzidenz drastisch gesenkt. Restrisiken bestehen in einzelnen Brennpunkten (Haiti, Bolivien) sowie durch Übertragungen von Vampirfledermäusen in Waldregionen des Südamerikanischen Kontinents.
- Europa & Nordamerika: Terrestrische Tollwut bei Hunden und Wildtieren ist durch Köderimpfungen weitgehend eliminiert (Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut). Das verbleibende Risiko beschränkt sich auf Fledermaus-Lyssaviren sowie vereinzelt illegal importierte Welpen/Tiere.
Inzidenz und Risiko bei westlichen Fernreisenden
- Erkrankungsfälle: Eine manifeste Tollwuterkrankung bei westlichen Fernreisenden ist extrem selten (weltweit durchschnittlich < 1 bis 2 Fälle pro Jahr).
- Expositionsrisiko: Das Risiko einer potenziellen Exposition (Biss-, Kratzverletzungen oder Belecken von Wunden durch Hunde, Affen oder Katzen) ist dagegen hoch. Es betrifft ca. 1 bis 4 von 1.000 Reisenden pro Monat in Hochendemiegebieten.
- Das Nadelöhr im Reisegebiet: In ländlichen Zielgebieten ist RIG fast nie verfügbar und qualitativ einwandfreie Zellkultur-Impfstoffe sind oft nur in weit entfernten Großstadtkliniken zu beziehen.
- Bedeutung der Präexpositionsprophylaxe (PrEP): Eine Vorimpfung (PrEP) vereinfacht die Postexpositionsprophylaxe im Ernstfall erheblich: Es wird kein RIG mehr benötigt, und es reichen 2 Impfdosen an Tag 0 und 3 aus.
| Weltregion | Hauptüberträger auf den Menschen | Relevante Wildtier-Reservoire | Epidemiologische Besonderheiten |
| Süd- & Südostasien | Haushund (>98 % aller humanen Fälle) | Sonnendachse (ferret badgers), Goldschakale, Mangusten, Makaken/Affen (häufige Bisse, seltene Übertragungsquelle) | Region mit der höchsten absoluten humanen Mortalität weltweit (ca. 60 % aller globalen Todesfälle, Schwerpunkt Indien). |
| Afrika (Sub-Sahara & Nordafrika) | Haushund (>99 % aller humanen Fälle) | Schakale (Schabracken- & Streifenschakal), Mangusten, Löffelhunde | Höchste relative Mortalitätsrate pro Einwohner. Zirkulation in Wildtieren vorhanden, aber als direkte Ansteckungsquelle für den Menschen vernachlässigbar gegenüber Straßenhunden. |
| Lateinamerika & Karibik | Fledermäuse (insb. Desmodus rotundus) & Haushund | Vampirfledermäuse, Krabbenwaschbären, Weißbüschelaffen, Kleine Indische Manguste (Karibikinseln wie Grenada, Puerto Rico) | Erfolgreiche Reduktion der Hundetollwut. In Südamerika (z. B. Amazonien) sind Vampirfledermäuse heute die primäre Infektionsquelle für den Menschen. Hundetollwut nur noch in lokalen Brennpunkten (z. B. Haiti, Teile Boliviens). |
| Nordamerika (USA & Kanada) | Insektenfressende Fledermäuse (>70 % der indigenen Fälle) | Waschbären (Raccoons), Skunks (Stinktiere), Rot- und Graufüchse, Kojoten, Polarfuchs | Dog-mediated Rabies gilt seit 2007 in den USA als eliminiert. Humane Fälle treten extrem selten auf und gehen fast ausnahmslos auf Fledermauskontakte oder Auslandsreisen zurück. |
| Europa (inkl. Osteuropa) | Fledermäuse (EBLV-1 / EBLV-2) sowie importierte Haustiere | Rotfuchs (in Osteuropa/Balkan; in West-/Mitteleuropa eliminiert), Marderhund, Breitflügel- & Wasserfledermäuse | West- und Mitteleuropa sind frei von terrestrischer Hundetollwut. Humanes Risiko besteht primär durch Fledermaus-Lyssaviren oder illegal aus Endemiegebieten importierte Tiere (Welpen/Katzen). |
| Australien & Ozeanien | Flughunde & Fledermäuse (ABLV) | Flughunde (Pteropus spp.) und insektenfressende Fledermäuse | Frei vom klassischen Tollwutvirus (RABV). Das Australian Bat Lyssavirus (ABLV) ist eng verwandt und verursacht klinisch identische, tödliche Enzephalitiden bei Fledermauskontakt. |
Informieren Sie sich auch hier:
https://rabiesalliance.org/
https://www.who.int/campaigns/world-rabies-day
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