Seit Mitte Mai 2026 breitet sich im sudanesischen Bundesstaat West-Kordofan ein Cholera-Ausbruch aus. Je nach Meldesystem wurden bis Ende Juni zwischen 734 und 758 Erkrankungsfälle sowie 66 bis 105 Todesfälle registriert. Das Epizentrum liegt in der Goldminenstadt Fuga, von wo aus sich die Erkrankung bereits auf benachbarte Gebiete im Bundesstaat Nord-Kordofan ausgebreitet hat. Der Ausbruch wird durch den anhaltenden Bürgerkrieg, die massive Zerstörung der Wasser- und Sanitärversorgung sowie die Nutzung verunreinigter Brunnen begünstigt. Die ungewöhnlich hohe Sterblichkeit deutet auf eine unzureichende medizinische Versorgung und erschwerten Zugang zu einer rechtzeitigen Behandlung hin.
Erreger: Vibrio cholerae (gramnegatives Bakterium; wahrscheinlich Serogruppe O1).
Übertragung: Fäkal-orale Übertragung über mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel; direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Inkubationszeit: Wenige Stunden bis 5 Tage, meist 2–3 Tage.
Symptome: Plötzlich einsetzender starker wässriger Durchfall („Reiswasserstuhl“), Erbrechen, Muskelkrämpfe sowie rascher Flüssigkeits- und Elektrolytverlust.
Komplikationen: Schwere Dehydratation, Kreislaufschock, akutes Nierenversagen und unbehandelt Tod innerhalb weniger Stunden bis Tage.
Therapie: Sofortige Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution (oral oder intravenös); bei schweren Verläufen zusätzlich Antibiotika zur Verkürzung der Krankheitsdauer.
Bewertung der Situation
Der Ausbruch entwickelt sich unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen in einem bewaffneten Konfliktgebiet mit stark eingeschränkter Gesundheitsversorgung. Die Fallsterblichkeit liegt deutlich über den von der WHO angestrebten Werten und weist auf erhebliche Defizite bei der Versorgung der Patienten hin. Die Ausbreitung nach Nord-Kordofan sowie die bevorstehende Regenzeit erhöhen das Risiko einer weiteren regionalen Ausdehnung. Gleichzeitig erschweren unsichere Sicherheitslagen, eingeschränkte Laborkapazitäten und beschädigte Wasser- und Sanitärsysteme eine wirksame Eindämmung. Für internationale Reisende besteht aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen insbesondere bei Aufenthalten außerhalb gesicherter Einrichtungen ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Empfehlungen
Reisende: Vor Reisen nach Sudan sollte eine reisemedizinische Beratung erfolgen. Reisen in die betroffenen Konfliktgebiete sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Ausschließlich abgekochtes oder original verschlossenes Trinkwasser verwenden, auf Eiswürfel verzichten und nur vollständig durchgegarte Speisen verzehren. Konsequente Händehygiene beachten. Bei längeren Aufenthalten oder humanitären Einsätzen sollte eine Cholera-Impfung individuell geprüft werden. Bei akutem Durchfall ist unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Unternehmen mit Entsendungen nach Sudan: Dienstreisen in die betroffenen Regionen sollten auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Mitarbeitende müssen über Hygienemaßnahmen, sichere Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene sowie die Symptome einer Cholera informiert werden. Für humanitäre Einsätze oder längere Aufenthalte sollte eine arbeitsmedizinische Beratung einschließlich einer individuellen Indikationsprüfung zur Cholera-Impfung erfolgen. Notfallpläne für die schnelle medizinische Versorgung schwerer Durchfallerkrankungen sollten vorhanden sein.
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