In den Rohingya-Flüchtlingslagern in Cox’s Bazar wurden in den ersten drei Monaten 2026 insgesamt 8769 Windpockenfälle gemeldet, was einen deutlichen Anstieg gegenüber 1355 Fällen im gesamten zweiten Halbjahr 2025 darstellt. Die Fälle treten überwiegend bei Kindern auf und betreffen mehrere Lager innerhalb des Siedlungsgebiets. Todesfälle wurden bislang nicht berichtet. Die Ausbreitung wird durch hohe Bevölkerungsdichte, beengte Wohnverhältnisse und eingeschränkte Möglichkeiten zur Isolation begünstigt. Routineimpfprogramme für andere Krankheiten (z. B. Masern, Röteln) laufen weiterhin.
Erreger: Varizella-Zoster-Virus (VZV, viral)
Übertragung: Tröpfcheninfektion, direkter Kontakt mit Bläscheninhalt, hochkontagiös
Inkubationszeit: 10–21 Tage
Symptome: Fieber, juckender Hautausschlag mit Bläschen, allgemeines Krankheitsgefühl
Komplikationen: Bakterielle Superinfektionen, Pneumonie, Enzephalitis (selten, v. a. bei Risikogruppen)
Therapie: Symptomatische Behandlung, ggf. antivirale Therapie bei Risikopatienten
Bewertung der Situation
Der starke Anstieg der Fallzahlen weist auf eine anhaltende und intensive Transmission in einem hoch vulnerablen Umfeld hin. Die strukturellen Bedingungen in Flüchtlingslagern – insbesondere Überbelegung und eingeschränkte Hygienemöglichkeiten – erschweren eine effektive Eindämmung erheblich. Trotz der meist milden Verläufe bei Kindern kann die hohe Fallzahl das Gesundheitssystem vor Ort belasten. Insgesamt besteht ein erhöhtes lokales Risiko, jedoch keine direkte Relevanz für Europa.
Empfehlungen
Reisende: Impfschutz (Varizellen) überprüfen, Kontakt zu Erkrankten vermeiden, konsequente Hygienemaßnahmen einhalten.
Unternehmen: Mitarbeitende in humanitären Einsätzen über Infektionsrisiken aufklären, Impfstatus prüfen, Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen in Einsatzgebieten sicherstellen. Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen.
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