In Costa Rica kommt es 2026 erstmals seit nahezu einem Jahrzehnt wieder zu einer anhaltenden lokalen Übertragung von Chikungunya-Viren. Bis zur epidemiologischen Woche 29 (19.–25. Juli) wurden 113 Erkrankungsfälle registriert, darunter 71 PCR-bestätigte und 42 wahrscheinliche Fälle. Zusätzlich verzeichnete die Costa Rican Social Security Fund (CCSS) 438 medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit Chikungunya.
Schwerpunkte liegen in Guanacaste (u. a. Tamarindo, Flamingo, Playa Langosta) sowie in Alajuela, insbesondere El Coyol. Betroffen sind inzwischen mehrere Provinzen. Die Übertragung erfolgt durch infizierte Aedes-Mücken, insbesondere Aedes aegypti. Die Mücken sind tag- und nachtaktiv.
Chikungunya ist eine durch ein Alphavirus verursachte virale Erkrankung. Typisch sind plötzliches hohes Fieber, ausgeprägte Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen sowie häufig ein Hautausschlag. Die Gelenkbeschwerden können über Wochen bis Monate persistieren. Seltene schwere Verläufe betreffen insbesondere Neugeborene, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen und können neurologische, kardiale oder andere Organmanifestationen umfassen. Besonders schwerwiegend sind langanhaltende, sogar über den Zeitraum der eigentlichen Erkrankung hinaus, über viele Monate fortbestehende schwere Gelenkschmerzen. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht; die Behandlung erfolgt symptomatisch. Bei Verdacht auf Dengue muss insbesondere auf Medikamente mit erhöhtem Blutungsrisiko verzichtet werden. Sowohl gegen Dengue als auch gegen Chikungunya steht ein Impfstoff zur Verfügung
Bewertung der Situation
Für die einheimische Bevölkerung stellt die erneute Etablierung der Übertragung eine relevante gesundheitliche Belastung dar. Die gleichzeitige Zirkulation von Dengue und Zika erschwert die klinische und labordiagnostische Abgrenzung.
Für Reisende besteht insbesondere in den betroffenen Regionen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Besonders relevant sind die touristisch stark frequentierten Gebiete Guanacaste und Tamarindo/Flamingo. Reisende können das Virus zudem nach Deutschland importieren.
Für Deutschland ist vor allem mit importierten Einzelfällen zu rechnen. Eine dauerhafte lokale Übertragung ist derzeit nicht zu erwarten, kann bei geeigneten Vektoren und klimatischen Bedingungen jedoch grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden.
Für Unternehmen mit Mitarbeitern in Costa Rica besteht insbesondere bei Geschäftsreisen in die betroffenen Regionen ein erhöhtes Travel-Health-Risiko mit potenziellen Arbeitsausfällen.
Empfehlungen
Für Reisende:
- Reisemedizinische Beratung in Anspruch nehmen
- Impfung vor der Reise
- Konsequenter Mückenschutz
- insbesondere bei Schwangerschaft, höherem Alter oder relevanten Vorerkrankungen eine individuelle reisemedizinische Beratung vor Reiseantritt durchführen lassen.
Unternehmen:
Arbeitsmedizinische Vorsorge für Mitarbeiter sicherstellen
- Mitarbeiter vor Entsendungen über die aktuelle Chikungunya-Situation informieren;
- Individuelle reisemedizinische Beratung und ggf. Impfung sicherstellen;
- Bei Projekten im Endemiegebiet, fachgerechte Gefährdungsbeurteilung sicherstellen;
- geeignete Mückenschutzmittel und Schutzmaßnahmen bereitstellen;
- bei Erkrankung eine frühzeitige medizinische Abklärung und gegebenenfalls Anpassung der Einsatzplanung ermöglichen;
- das Ereignis in das bestehende Travel Health Risk Management integrieren.
Quelle der Meldung
Ähnliche Meldungen
Dengue-Ausbruch, Marshallinseln
Im Majuro-Atoll der Marshallinseln wurde am 20. August 2026 ein Dengue-Ausbruch ausgerufen. Bis dahin waren acht Fälle bestätigt, nachdem 23 Personen getestet worden waren. Dengue wird durch…
Akute Darminfektionen, Kabul
In Dasht-e-Barchi im Westen Kabuls sind seit etwa 22. August 2026 Hunderte Menschen, überwiegend Kinder und ältere Erwachsene, an einer akuten Magen-Darm-Erkrankung erkrankt. Betroffen sind…
Choleraausbruch, Yangon/Myanmar
In Yangon, Myanmar, wird seit Anfang August 2026 eine Häufung akuter Durchfallerkrankungen beobachtet. Nach lokalen Medienberichten wurden bis zum 12. August 170 Patienten im Yangon General Hospital…
Diphtherie-Ausbruch, Ostsenegal
In den Gesundheitsdistrikten Kédougou und Saraya im Osten Senegals wurde nach Untersuchungen vom 5.–11. August 2026 ein Diphtherie-Ausbruch gemeldet. Eine rückblickende Auswertung von Krankenakten…



