Kolumbien verzeichnet weiterhin eine hohe Dengue-Aktivität. Bis zur epidemiologischen Woche 24 (Stand 20. Juni 2026) wurden landesweit 52.518 Dengue-Fälle registriert, darunter 20.241 Fälle mit Hospitalisierung, 544 schwere Verläufe und 31 Todesfälle. Die Krankenhäuser und Intensivstationen sind erheblich belastet. Besonders betroffen sind die Departamentos Meta, Cesar, Bolívar, Santander, Norte de Santander, Magdalena, La Guajira und Cartagena, auf die mehr als 60 % aller Fälle entfallen. Insgesamt überschritten 13 Departamentos und Städte die erwartete epidemiologische Schwelle. Zusätzlich warnen die kolumbianischen Wetterbehörden vor einem sich entwickelnden El-Niño-Ereignis, das die Ausbreitung der Erkrankung in den kommenden Monaten weiter begünstigen könnte.
Erreger: Dengue-Virus (DENV-1 bis DENV-4), RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae.
Übertragung: Stich infizierter Aedes-Mücken (vor allem Aedes aegypti); eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht.
Inkubationszeit: Meist 4–10 Tage.
Symptome: Plötzliches hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Hautausschlag sowie ausgeprägte Abgeschlagenheit. Warnzeichen sind starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Schleimhautblutungen und Kreislaufstörungen.
Komplikationen: Schweres Dengue mit Blutungen, Schock, Organversagen und potenziell tödlichem Verlauf. Das Risiko schwerer Erkrankungen steigt insbesondere nach einer erneuten Infektion mit einem anderen Dengue-Serotyp.
Therapie: Es existiert keine spezifische antivirale Behandlung. Die Therapie erfolgt symptomatisch mit engmaschiger Flüssigkeits- und Kreislaufüberwachung. Eine frühzeitige medizinische Behandlung reduziert das Risiko schwerer Verläufe erheblich. Wirksame Impfstoffe stehen zur Verfügung.
Bewertung der Situation
Der Dengue-Ausbruch in Kolumbien bleibt auf hohem Niveau und betrifft zahlreiche Landesteile gleichzeitig. Parallel findet serzeit ein schwerer Gelbfieberausbruch statt. Dies und die hohe Zahl stationärer Behandlungen führt zu erheblicher Belastung des Gesundheitssystems. Da in Kolumbien alle vier Dengue-Serotypen zirkulieren, besteht insbesondere für Einwohner und Langzeitaufenthalte ein erhöhtes Risiko schwerer Zweitinfektionen. Die prognostizierte Entwicklung eines starken El-Niño-Ereignisses könnte die Ausbreitung zusätzlich fördern. Höhere Temperaturen beschleunigen die Virusentwicklung in den Mücken, während Wasserknappheit häufig zur Speicherung von Wasser in offenen Behältern führt und dadurch zusätzliche Brutstätten für Aedes aegypti entstehen. Mit Beginn der Ferienzeit erhöht zudem der Reiseverkehr innerhalb des Landes das Risiko einer weiteren geografischen Ausbreitung.
Für Reisende aus Deutschland besteht vor allem das Risiko einer individuellen Erkrankung.
Empfehlungen
Reisende: Vor einer Reise nach Kolumbien wird eine reisemedizinische Beratung empfohlen. Ein konsequenter Mückenschutz ist sowohl tagsüber als auch in den frühen Abendstunden erforderlich. Hierzu gehören Repellents mit DEET oder Icaridin, lange helle Kleidung sowie klimatisierte oder mit Moskitonetzen ausgestattete Unterkünfte. Bei Fieber innerhalb von zwei Wochen nach einem Aufenthalt in Kolumbien sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen und auf den Aufenthalt hingewiesen werden. Eine Impfung mit Qdenga® kann nach individueller reisemedizinischer Beratung sinnvoll sein.
Unternehmen mit Entsendungen nach Kolumbien: Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge sollten Mitarbeitende über das erhöhte Dengue-Risiko und wirksame Maßnahmen zum Mückenschutz informiert werden. Ermöglichung von Impfungen gegen Dengue! Geeignete Repellents und Schutzkleidung sollten bereitgestellt werden. Mitarbeitende mit Fieber während des Aufenthalts sollten umgehend medizinisch abgeklärt und bis zur Diagnose körperliche Belastungen vermeiden.
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