Haiti hat bis zur epidemiologischen Woche 21 (04.01.–31.05.2026) insgesamt 159 bestätigte Diphtherie-Fälle und fünf Todesfälle registriert. Darüber hinaus wurden landesweit 1.616 Verdachtsfälle gemeldet. Die Fallsterblichkeit liegt aktuell bei 3 %. Bestätigte Erkrankungen wurden aus allen 10 Departements gemeldet. Die höchste kumulative Inzidenz verzeichnen die Departements Ouest (1,38 bestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner) und Sud-Est (4,62 bestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner). 55 % der bestätigten Fälle waren entweder ungeimpft oder wiesen einen unbekannten Impfstatus auf. Die Erkrankung betrifft vor allem Erwachsene ab 20 Jahren (40 %), gefolgt von Kindern zwischen 5 und 9 Jahren (19 %) und 1 und 4 Jahren (14 %). Erreger: Corynebacterium diphtheriae (Toxin bildende Bakterienstämme).
Übertragung: Hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) oder engen, direkten Kontakt von Mensch zu Mensch.
Symptome: Laryngitis, Pharyngitis oder Tonsillitis, begleitet von festsitzenden Pseudomembranen auf den Mandeln, im Rachen und/oder den Nasengängen sowie einer Schwellung des Halses.
Komplikationen: Atemwegsobstruktionen durch Membranen, Herzmuskelschäden (Myokarditis), Nervenschädigungen und Tod.
Therapie: Sofortige Verabreichung von Diphtherie-Antitoxin (DAT) in Kombination mit einer Antibiotikatherapie (bevorzugt Makrolide wie Azithromycin oder Erythromycin aufgrund von Penicillin-Resistenzen).
Bewertung der Situation
Der aktuelle Ausbruch übersteigt bereits jetzt die Jahrestotalen der Jahre 2022 bis 2025 und treibt die regionale Diphtherie-Belastung massiv an. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden tragen Haitis politische Instabilität, geografische Barrieren, eine stark eingeschränkte Gesundheitsinfrastruktur sowie begrenzte Kapazitäten für die Kühlkette erheblich zur Erschwerung der Ausbruchskontrolle bei. Besonders besorgniserregend sind die gravierenden Impflücken: Die DTP3-Durchimpfungsrate lag 2025 bei lediglich 77 %, wobei nur 44 % der Gemeinden eine ausreichende Abdeckung von über 80 % erreichten. Der hohe Anteil betroffener Erwachsener deutet zudem auf eine nachlassende Immunität in älteren Altersgruppen hin. Die WHO-PAHO warnt vor einem signifikanten Risiko für den Export von Fällen und die Entstehung lokaler Übertragungsketten in anderen Ländern der Region mit unzureichenden Impfquoten. Für Deutschland besteht durch Reiserückkehrer lediglich ein minimales Risiko für Einzelfälle, eine Gefährdung der Allgemeinbevölkerung ist aufgrund der hohen Impfquote extrem unwahrscheinlich. Unternehmen mit Personal vor Ort müssen mit krankheitsbedingten Personalausfällen und logistischen Problemen bei der medizinischen Versorgung rechnen.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. und den Impfschutz mittels eines DTP-Kombinationsimpfstoffs (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten) vor Reiseantritt überprüfen beziehungsweise auffrischen. Engen Kontakt zu offensichtlich kranken Personen oder Personen mit Atemwegssymptomen meiden. Konsequente Einhaltung von Hygienemaßnahmen (Händewaschen und Desinfektion). Bei Auftreten von Symptomen wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Fieber ist umgehend eine medizinische Abklärung erforderlich.
Unternehmen mit Entsendungen nach Haiti: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. und den vollständigen Diphtherie-Impfstatus aller Mitarbeitenden vor der Entsendung verpflichtend überprüfen. Mitarbeitende umfassend über Übertragungswege, Hygienemaßnahmen und Symptome aufklären. Da die Verfügbarkeit von Diphtherie-Antitoxin (DAT) vor Ort stark limitiert sein kann, sollte ein medizinischer Notfall- und Evakuierungsplan für infizierte Mitarbeiter etabliert werden.
Quelle der Meldung
WHO-PAHO (World Health Organization – Pan American Health Organization)
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