Im Bundesstaat Assam im Nordosten Indiens wurden im Juni 2026 mehrere Fälle von Japanischer Enzephalitis (JE) mit Todesfällen gemeldet. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden bis zum 17.06.2026 insgesamt sieben laborbestätigte Todesfälle durch Japanische Enzephalitis sowie 32 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Akuten Enzephalitis-Syndrom (AES) registriert.
Im Distrikt Barpeta wurden vier bestätigte JE-Fälle nachgewiesen, von denen zwei tödlich verliefen. Weitere vier bestätigte Fälle wurden aus Rangia im Distrikt Kamrup gemeldet. Dort verstarb ein 49-jähriger Patient, während mehrere weitere Erkrankte, darunter ein achtjähriger Junge, stationär behandelt werden.
Die aktuellen Erkrankungen treten während der Monsunzeit auf, die traditionell mit einer erhöhten Aktivität der übertragenden Stechmücken verbunden ist. Gleichzeitig werden in Teilen Assams auch Dengue- und Malariafälle registriert.
Die Gesundheitsbehörden reagierten mit Mückenbekämpfungsmaßnahmen, Insektizidbehandlungen von Moskitonetzen, dem Einsatz larvenfressender Fische in stehenden Gewässern, Fieberscreenings sowie Aufklärungskampagnen in den betroffenen Gemeinden.
Erreger: Japanisches-Enzephalitis-Virus (JEV), ein Flavivirus.
Übertragung: Durch den Stich infizierter Culex-Mücken, insbesondere Culex tritaeniorhynchus. Schweine und Wasservögel dienen als wichtige Virusreservoire. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Inkubationszeit: Meist 5–15 Tage.
Symptome: Die meisten Infektionen verlaufen symptomlos. Schwere Verläufe beginnen mit Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen und können zu Hirnentzündung, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen, Lähmungen und Koma führen.
Therapie: Es existiert keine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung erfolgt intensivmedizinisch und symptomorientiert. Neurologische Folgeschäden sind bei Überlebenden häufig.
Bewertung der Situation
Die gemeldeten Erkrankungen entsprechen dem saisonalen Muster der Japanischen Enzephalitis in Assam, deren Hauptübertragungszeit zwischen Mai und September liegt. Die gleichzeitigen Krankheitscluster in verschiedenen Distrikten deuten auf eine aktive Viruszirkulation während der laufenden Monsunperiode hin.
Besonders bedeutsam ist die hohe Sterblichkeit schwerer Krankheitsverläufe. Bei symptomatischen neurologischen Erkrankungen liegt die Fallsterblichkeit typischerweise zwischen 20 und 30 %, während viele Überlebende dauerhafte neurologische Einschränkungen zurückbehalten.
Die hohe Zahl von Todesfällen durch Akutes Enzephalitis-Syndrom (AES) zeigt zudem, dass die tatsächliche Belastung durch das Japanische-Enzephalitis-Virus möglicherweise höher sein könnte als die bislang laborbestätigten Fälle vermuten lassen.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Für Reisen nach Assam und andere ländliche Regionen Nordostindiens sollte ein konsequenter Mückenschutz eingehalten werden. Dazu gehören lange Kleidung, Insektenschutzmittel, klimatisierte Unterkünfte oder Moskitonetze. Bei längeren Aufenthalten oder Reisen in Risikogebiete sollte die Indikation für eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis geprüft werden.
Unternehmen mit Entsendungen nach Indien: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten über Risiken, Symptome und Schutzmaßnahmen informiert werden. Bei Tätigkeiten in ländlichen Gebieten während der Monsunzeit sind konsequente Maßnahmen zum Mückenschutz erforderlich. Für Langzeitaufenthalte in Endemiegebieten sollte eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis erwogen werden.
Quelle der Meldung
Ähnliche Meldungen
Update XIV: Ebolaausbruch DRKongo, Uganda
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet über die anhaltende Ebola-Epidemie durch das Bundibugyo-Virus (Bundibugyo virus disease, BVD) in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Die…
Masernausbruch, DR Kongo
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) erlebt im Jahr 2026 den bislang schwersten Masernausbruch der letzten Jahre. Nach Angaben des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA)…
H5N1, Neuseeland
In Neuseeland wurde erstmals das hochpathogene aviäre Influenzavirus (HPAI) A(H5N1), Klade 2.3.4.4b, nachgewiesen. Betroffen ist eine Subantarktikskua (Raubmöwenart), die am 10.07.2026 geschwächt in…
Gastroenteritis-Ausbruch, Rajasthan
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2026 erkrankten in Polai Khurd (Distrikt Kota, Rajasthan, Indien) etwa 85–115 Personen nach dem Verzehr von Golgappas (Pani-Puri) eines Straßenverkäufers.…



