Bangladesch erlebt derzeit einen der größten Masernausbrüche seiner jüngeren Geschichte. Seit Mitte März 2026 wurden landesweit 92.790 Verdachtsfälle und 11.011 laborbestätigte Masernfälle registriert. Zudem wurden 680 Todesfälle gemeldet, darunter 93 laborbestätigte und 587 klinisch vermutete Masern-Todesfälle.
Allein innerhalb von 24 Stunden wurden 1.001 neue Verdachtsfälle, 62 neu bestätigte Fälle sowie drei weitere Todesfälle bei Kindern mit masernverdächtigen Symptomen registriert.
Die höchste Krankheitslast entfällt auf die Division Dhaka mit 42.766 Verdachtsfällen, 7.501 bestätigten Erkrankungen sowie 307 Todesfällen. Weitere stark betroffene Regionen sind Chattogram, Barishal, Rajshahi und Khulna.
Seit Beginn des Ausbruchs mussten 76.859 Patienten stationär behandelt werden. Mehr als 72.000 Betroffene konnten inzwischen wieder aus den Krankenhäusern entlassen werden.
Als wesentliche Ursachen gelten Impflücken, Lieferengpässe bei Impfstoffen in den Jahren 2024 und 2025 sowie das Ausbleiben größerer Nachholimpfkampagnen seit 2020. Eine landesweite Impfkampagne wurde zwar Anfang April 2026 gestartet und erreichte nach offiziellen Angaben mehr als 100 % der Zielbevölkerung, begann jedoch erst nachdem sich der Ausbruch bereits landesweit ausgebreitet hatte.
Erreger: Masernvirus (Measles morbillivirus).
Übertragung: Hochansteckende Tröpfchen- und Aerosolinfektion. Das Virus kann mehrere Stunden in der Raumluft infektiös bleiben. 1 Patient steckt durchschnittlich mehr als 30 (nicht-immune) Kontakte an.
Inkubationszeit: Meist 8–12 Tage bis zum Auftreten erster Symptome, etwa 14 Tage bis zum charakteristischen Hautausschlag.
Symptome: Fieber, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung, anschließend typischer großfleckiger Hautausschlag. Komplikationen umfassen Lungenentzündung, Durchfallerkrankungen, Mittelohrentzündung sowie Gehirnentzündung (Enzephalitis).
Therapie: Es existiert keine spezifische antivirale Behandlung. Die Therapie erfolgt symptomatisch und unterstützend. Vitamin-A-Gabe kann insbesondere bei Kindern schwere Verläufe reduzieren.
Bewertung der Situation
Der aktuelle Ausbruch stellt eine erhebliche gesundheitliche Belastung für Bangladesch dar. Die Kombination aus sehr hohen Fallzahlen, einer großen Zahl hospitalisierter Patienten und hunderten gemeldeten Todesfällen weist auf eine anhaltend intensive Viruszirkulation im gesamten Land hin.
Besonders betroffen sind Kinder, die den Großteil der Todesfälle ausmachen. Die hohe Zahl vermuteter Todesfälle im Vergleich zu laborbestätigten Fällen deutet darauf hin, dass die diagnostischen Kapazitäten durch das Ausmaß des Ausbruchs teilweise überlastet sind und die tatsächliche Krankheitslast möglicherweise unterschätzt wird.
Die anhaltenden täglichen Meldungen zahlreicher Neuinfektionen zeigt, dass der Ausbruch seinen Höhepunkt wahrscheinlich noch nicht überschritten hat. Trotz der laufenden Impfkampagne bleibt aufgrund bestehender Immunitätslücken ein weiteres Ausbreitungsrisiko bestehen.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Vor Reisen nach Bangladesch sollte ein vollständiger Masernschutz mit zwei dokumentierten Impfungen oder ein gesicherter Immunschutz überprüft werden. Besonders Säuglinge, ungeimpfte Personen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet.
Unternehmen mit Entsendungen nach Bangladesch: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Der Impfstatus aller Mitarbeitenden sollte vor Reiseantritt überprüft und gegebenenfalls vervollständigt werden. Bei Fieber und Hautausschlag während oder nach dem Aufenthalt sollte eine umgehende medizinische Abklärung erfolgen.
Quelle der Meldung
Directorate General of Health Services (DGHS), Bangladesch / bdnews24.com / The Business Standard
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