In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und im benachbarten Uganda breitet sich seit Mai 2026 ein Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus weiter aus. Bis zum 19. Juni 2026 wurden insgesamt 896 bestätigte Erkrankungsfälle und 232 Todesfälle registriert. Das Ausbruchsgeschehen konzentriert sich überwiegend auf die Provinz Ituri in der DRK, wo über 90 % aller Fälle auftreten. Darüber hinaus wurden Infektionen in den Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu sowie grenzüberschreitend in Uganda nachgewiesen. Uganda meldete bislang 19 bestätigte Fälle und zwei Todesfälle. Besonders besorgniserregend ist die Situation in Vertriebenenlagern, insbesondere im Lager Kigonze bei Bunia, wo seit Anfang Mai mindestens 30 Todesfälle mit Ebola-verdächtigen Symptomen registriert wurden. Die WHO berichtet zudem über 75 infizierte Beschäftigte im Gesundheitswesen, von denen bereits 17 verstorben sind.
Erreger: Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV), ein Vertreter der Gattung Ebolavirus innerhalb der Familie der Filoviridae.
Übertragung: Durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Gewebe infizierter Personen sowie über kontaminierte Gegenstände. Auch Verstorbene bleiben hoch infektiös. Eine Übertragung durch die Luft spielt keine relevante Rolle.
Symptome: Plötzliches Fieber, starke Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Im weiteren Verlauf können Blutungen, Organversagen und Schock auftreten.
Komplikationen: Schwere innere und äußere Blutungen, Multiorganversagen, neurologische Komplikationen sowie Tod. Die Sterblichkeit variiert je nach Versorgungsqualität erheblich.
Therapie: Für den Bundibugyo-Stamm existieren derzeit keine spezifischen Impfstoffe oder antiviralen Therapien. Die Behandlung erfolgt unterstützend durch Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich, Intensivmedizin sowie Behandlung von Komplikationen.
Bewertung der Situation
Der aktuelle Ausbruch stellt das bislang größte bekannte Ereignis mit dem Bundibugyo-Ebolavirus seit dessen Erstbeschreibung im Jahr 2007 dar. Die Ausbreitung über 31 Gesundheitszonen, die bestätigte grenzüberschreitende Übertragung nach Uganda sowie die hohe Zahl infizierter Gesundheitskräfte deuten auf eine anhaltend aktive Übertragung hin. Besonders kritisch ist die Lage in den zahlreichen Vertriebenenlagern im Osten der DRK. Überfüllte Unterkünfte, unzureichende Wasser- und Sanitärversorgung sowie eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung schaffen ideale Bedingungen für eine weitere Ausbreitung. Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen bleibt lückenhaft; nach Angaben der Africa CDC werden lediglich rund die Hälfte der bekannten Kontakte aktiv überwacht. Zusätzlich erschweren Sicherheitsprobleme, Misstrauen gegenüber Behörden und die Ablehnung von Testungen sowie sicheren Bestattungen die Eindämmung des Ausbruchs. Die WHO geht davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht wurde. Für Reisende besteht außerhalb der betroffenen Regionen derzeit nur ein geringes Risiko. Für Hilfsorganisationen, medizinisches Personal und Unternehmen mit Einsätzen in den betroffenen Provinzen ergibt sich jedoch ein erhebliches Gesundheits- und Sicherheitsrisiko.
Empfehlungen
Reisende: Reisemedizinische Beratung einholen. Nicht notwendige Reisen in die betroffenen Regionen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu sollten verschoben werden. Reisende müssen direkten Kontakt zu Kranken, Verstorbenen sowie deren Körperflüssigkeiten konsequent vermeiden. Strikte Handhygiene und die Einhaltung lokaler Gesundheitsanweisungen sind essenziell. Bei Fieber oder anderen Symptomen während oder nach einem Aufenthalt in den betroffenen Gebieten ist unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen und auf die Reiseanamnese hinzuweisen.
Unternehmen mit Entsendungen: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Vor Einsätzen in den betroffenen Regionen sind umfassende Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Mitarbeitende müssen intensiv zu Übertragungswegen, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln geschult werden. Es sollten Notfallpläne für Verdachts- und Erkrankungsfälle sowie Evakuierungskonzepte vorhanden sein. Medizinisches Personal benötigt Zugang zu geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und klar definierten Infektionsschutzprotokollen. Die epidemiologische Lage sollte kontinuierlich überwacht werden.
Quelle der Meldung
Reuters / Al Jazeera / abcnews / reliefweb
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