Am 15. Juli 2026 wurden aus der Mulungu-Gesundheitszone im Territorium Shabunda (Provinz Süd-Kivu, Demokratische Republik Kongo) 52 Fälle akuter Durchfallerkrankungen bzw. Gastroenteritis und 11 Todesfälle gemeldet. Dies entspricht einer sehr hohen Fallsterblichkeit von 21,2 %. Besonders betroffen ist das Gesundheitsgebiet Lubila. Die meisten Erkrankten sind Erwachsene im Alter von 18 bis 50 Jahren, jedoch wurden auch Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren registriert. Als gemeinsamer Risikofaktor wurde der Konsum von unbehandeltem Flusswasser aus den Flüssen Lubila und Ulindi identifiziert. Der genaue Erreger ist bislang nicht laborbestätigt. Die lokalen Gesundheitsdienste berichten über erhebliche Engpässe bei Medikamenten, Rehydratationslösungen, Chlor und weiteren Materialien zur Trinkwasseraufbereitung.
Erreger: Der Erreger ist derzeit unbekannt. Aufgrund der Symptomatik und der vermuteten wasserbedingten Übertragung kommen unter anderem Vibrio cholerae, enterotoxische Escherichia coli, Shigella spp., Salmonella spp., Rotaviren oder Noroviren infrage.
Übertragung: Wahrscheinlich fäkal-orale Übertragung durch den Konsum von mit Krankheitserregern verunreinigtem Wasser oder kontaminierten Lebensmitteln. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist je nach Erreger ebenfalls möglich.
Inkubationszeit: Je nach Erreger wenige Stunden bis mehrere Tage.
Symptome: Akuter Durchfall, Gastroenteritis, häufig schwere Dehydratation, Erbrechen, Bauchschmerzen und allgemeine Schwäche.
Komplikationen: Schwere Austrocknung, Elektrolytstörungen, Kreislaufversagen und Tod, insbesondere bei fehlender oder verspäteter Behandlung.
Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger. Im Vordergrund stehen eine rasche Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution (oral oder intravenös) sowie gegebenenfalls eine gezielte antibiotische Therapie nach Erregernachweis.
Bewertung der Situation
Die Ursache des Ausbruchs ist derzeit ungeklärt, weshalb das Ereignis als Ausbruch akuter Durchfallerkrankungen eingestuft werden sollte. Die außergewöhnlich hohe Fallsterblichkeit weist auf erhebliche Defizite bei der medizinischen Versorgung und der frühzeitigen Behandlung schwerer Dehydratationen hin. Der Zusammenhang mit der Nutzung unbehandelter Flusswasserquellen während der Trockenzeit spricht für eine wasserbedingte Übertragung. Da in mehreren Provinzen der DR Kongo gleichzeitig Cholera auftritt, muss auch diese Erkrankung differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. Eine endgültige Einordnung ist jedoch erst nach Vorliegen der Laborergebnisse möglich.
Empfehlungen
Reisende: Reisen in die betroffene Region sollten nur bei zwingender Notwendigkeit erfolgen und eine reisemedizinische Beratung wird empfohlen. Ausschließlich abgekochtes oder original verschlossenes Trinkwasser verwenden, auf Eiswürfel verzichten und Lebensmittel nur gut durchgegart verzehren. Konsequente Händehygiene einhalten. Bei akutem Durchfall oder Anzeichen einer Austrocknung sofort medizinische Hilfe aufsuchen.
Unternehmen mit Mitarbeitenden in der DR Kongo: Arbeitsmedizinische Vorsorge sicherstellen. Mitarbeitende sollten über Hygienemaßnahmen informiert und mit sicherem Trinkwasser sowie Möglichkeiten zur Wasseraufbereitung ausgestattet werden. Für Einsätze in Süd-Kivu sollten Notfallpläne zur medizinischen Versorgung sowie ausreichende Vorräte an oralen Rehydratationslösungen und Desinfektionsmitteln bereitstehen. Erkrankte Mitarbeitende sollten frühzeitig medizinisch versorgt und bei Bedarf evakuiert werden.
Quelle der Meldung
Radio Okapi / BETO (Belgian Environmental and Tropical Observatory)
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